4. Interaktive Lesenacht – Eins – Die aufstrebende Stadt

Eins

Bitte sieh dich vor, wenn du aus dem Heckengang auf den Gehweg trittst. Das ist während der dunklen Jahreszeit gefährlich. Ich hatte schon einige Beinahzusammenstöße mit Passanten, denn wegen der hohen Sträucher sieht man uns erst, wenn wir rauskommen. Manchmal fahren auch Radfahrer auf dem Bürgersteig, weil sie an der Ecke unten sowieso abbiegen wollen. Sie kommen recht schnell, denn die Straße ist abschüssig. Übrigens steigen in dieser Stadt alle wichtigen Straßen an und streben einem Plateau in den Wolken zu. Nein, ich übertreibe nicht, denn wie du siehst, hängt die Wolkendecke heute tief. Sie ist mal wieder vom Licht der Unterstadt gelblich getrübt, so dass man denken könnte, der Nieselregen ist eine giftige Brühe. In den oberen Schichten der Stadt wird die Luft angenehmer sein. Zu dieser Jahreszeit soll es dort manchmal schneien. Ich bin allerdings noch nie da gewesen, denn es ist ein ziemlich weiter und beschwerlicher Aufstieg zum Plateau. Und nach oben hin werden Wege und Straßen immer steiler. So kenne ich auch niemanden, der schon einmal ganz oben war. Wer es bis dahin schafft, vermeidet es offenbar, wieder herunterzukommen.

Weit hinab gefahren bin ich auch noch nicht. Bei allen Versuchen hat mich irgendwann der Mut verlassen, nicht etwa, weil die Häuser immer hässlicher wurden und schwere Verfallserscheinungen hatten, auch nicht der Gestalten wegen, die über die löchrige Straße schlichen, sondern weil mir irgendwann klar wurde, dass ich den ganzen steilen Anstieg wieder zurückfahren müsste. Es galt also, rechtzeitig anzuhalten und umzukehren, solange noch Kraft dazu war.

Wir gehen ein wenig bergan, denn wir besuchen ein altes Gebäude. Bis zur Nazizeit war darin das Verlags- und Druckhaus einer Wochenzeitschrift mit dem seltsamen Namen …

=> Zwei

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