Zirkus schlechten Geschmacks – Bringt die Clowns herbei!

Penn-Karnevalisten-aufgewac

Es laufen ja genug Clowns umher, doch zu packen sind sie kaum. Also ehrlich, wer noch nicht gaga ist, hat nichts zu lachen, denn er weiß vor lauter Schocks und Krisen nicht mehr, in welchem schwarzen Loch sich sein Kopf gerade befindet, und man kann schon froh sein, wenn er wenigstens nicht im Hintern eines Mächtigeren steckt. Wir wissen ja schon seit dem Gilgamesch-Epos, dass im Seelengrund jedes Menschen ein Untier hockt und auf seinen Einsatz wartet. Allerdings scheint die Spezies Mensch neuerdings vom kollektiven Selbstvernichtungswahn befallen zu sein. Einige sind bereits völlig durchgeknallt und wollen den ohnehin drohenden Weltuntergang unbedingt beschleunigen, und zwar auf Lichtgeschwindigkeit. Muss das sein? Ist das eigentlich nötig? Geht’s nicht ein bisschen langsamer? Was kann dabei herauskommen außer der Option auf den Nobelpreis? Der ist ja sinniger Weise von einem Dynamitfabrikanten gestiftet worden. Das hat er geschickt eingefädelt, der gerissene Hund. Ihm zu Ehren basteln Wissenschaftler aus aller Welt an einem Knall, den dieser Erdball noch nicht erlebt hat. Damit den Wissenschaftsclowns auch ja keiner die Show vermasselt, wurde CERN übrigens von der Staatengemeinschaft zum exterritorialen Gebiet erklärt. Vor dem schwarzen Loch sind alle Weißkittel gleich.

Die einen mästen ihr inneres Untier mit der Idee vom Nobelpreis, die anderen mit dem Anabolika Geld, und die zu wenig davon haben, lechzen danach, weil sie auch endlich mal Unmensch sein wollen. Die Clowns von der geld- und machtsüchtigen Sorte haben sich in letzter Zeit mächtig ins Zeug gelegt, den Auftakt des Weltuntergangs zum Megaevent zu machen. Ihre komischen Krisen fegen als apokalyptische Reiter um den Globus. Wo sie waren, wächst kein Gras mehr. Und in jeder TV-Talkrunde sitzen die falschen Propheten in bester Verkleidung, und die Redakteure der Sendungen bemühen sich keinen Deut darum, an den Perücken und falschen Bärten zu zupfen. Nie erfährt der Zuschauer, von welchem Interessensverband die Propheten bezahlt und ausgesandt wurden. Seit Tagen sage ich mir, das Ganze ist ein wirklich gut gebauter Witz mit einer echt knalligen Pointe. Das ist internationale Hochkomik. Den Witz versteht nicht jeder. Es wird Zeit für die karnevalistische Aufarbeitung.

Von den Narren mit den umgedrehten Jakobinermützen war in den letzten Monaten nichts zu sehen. Sie hielten Sommerschlaf. Dabei hätten wir das gutgelaunte Föttchenwackeln dieser Männervereinigung gut gebrauchen können.

Mier laache ons kapott, dat nennt mer Krise,
Mier laache ons kapott, dat nennt mer schön, …

– das geht leicht in jeden Kopf. Davon brauchen wir dringend mehr. Zum Glück sind wenigstens die Aachener Penn-Karnevalisten aus der Sommerpause zurück, sind aufgewacht, haben sich das Gesicht zurechtgerückt, Schlips um den Hals, Kappe weiter oben, und dann raus ins Geschehen. Wo gibt es was zu lachen? Alaaf, das Welttheater ist aber wirklich ein schwer zu erklärender Witz. Der Kassierer sagt: „Wir machen jut Wetter mit der Portokasse und verschenken einen Riesenscheck!“ Die Rettung kommt vom Präsidenten: „Männer, wir legen noch einen drauf und verteilen die Summe auf zwei Riesenschecks!“ Übrigens, nicht nur die Riesenschecks bestehen überwiegend aus Papier. Ich würde an deiner Stelle auch keine Dollars mehr annehmen, wenn du dir noch was leisten willst vor Alfred Nobels posthumen Ehrenknall.

Foto aus Aachener Woche 09/08

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