Bitte bemühen Sie sich nicht weiter

Arbeitgeber müssen Arbeitszeugnisse wohlwollend und förderlich verfassen. Doch was tun, wenn sie mit der Leistung des Arbeitnehmers unzufrieden waren? Es gilt ja, zukünftige Arbeitgeber zu warnen. Abhilfe bietet ein Geheim-Code für Zeugnisse. Er wird gelegentlich noch angewendet, obwohl er eigentlich verboten ist. Mit Hilfe dieses Codes lassen sich Mängel so formulieren, dass sie auf den ersten Blick durchaus positiv wirken. Zwei Beispiele:

Frau-Merkel-hat-sich-bemüht
Quelle:

Bevor sie zu den Bayreuther Festspielen fuhr, lud Bundeskanzlerin Merkel gestern traditionsgemäß zur letzten Bundespressekonferenz vor der Sommerpause. Befragt zur Arbeit der Koalition nach den Ferien, sagte sie: „Ich erwarte eine Politik, von der die Menschen sagen: Die bemühen sich!“

Hallo? Geht’s noch? Waren Frau Merkels Redefloskelschreiber schon im Urlaub? Sind sie bemühte Versager oder hat Frau Merkel wirklich derart bescheidene Ziele und es war ein Anflug von Ehrlichkeit? Wir Menschen jedenfalls können ihr jetzt schon das gewünschte Zeugnis ausstellen: „Die Regierungskoalition unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel bemüht sich stets mit großem Fleiß, die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erfüllen. Wir wünschen schöne Ferien.“

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0 Kommentare zu Bitte bemühen Sie sich nicht weiter

  1. Frau Merkel ist Realistin 🙂

  2. Heute Donnerstag:

    11.02 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (54, CDU) begrüßt den Präsidentschafts-Kandidaten. Sie trägt einen petrolfarbenen Blazer, Obama einen dunklen Anzug, weißes Hemd, graublaue Krawatte.

    • hat sie ein tiefes Dekolltee, ist es auch nicht recht ;)…
      Der stern.de-„Live-Ticker“, aus dem du da zitierst, ist ja wohl nur peinlich.
      10 Uhr: Der Flieger hat die Parkposition erreicht, die Gangway wird herangefahren, eine ganze Kolonne schwarzer Wagen ist vor dem Flugzeug vorgefahren.
      Auf n-tv wurde vor zwei Stunden darüber spekuliert, ob der Wahlkämpfer vor seiner Rede heute möglicherweise noch ein Nickerchen machen wird (ja, vermutlich, lautete die Antwort).

    • Petrolfarben, eine gute Wahl. Dann muss der Bayerische Rundfunk auch keine Schweißflecken retuschieren.
      http://www.stern.de/lifestyle/leute/:Bayreuth-Frau-Merkel/543567.html

      • :))

        Unter meinen Armen Öl,
        aber ich trag ja Petröl…

          • humm,

            ich reime manchmal schön. Manchmal auch nicht. Sehr oft sitz ich schnipsend rum und denk „höPÖpöpöh höPÖpöpöh höPÖP pösePausePau“

            |x X x x |x X x x |x X . x |. . . . |

            und erst wenn die Silbe da sitzt wo se soll, is das Ge dicht. – Wobei ich grad merk, „hö“ ist n Marcação und PÖ der Beat. Also

            |. . . x |X x x x |X x x x |X . x . |. . .
            |. . . hö|PÖpöpöhö|PÖpöpöhö|PÖ. pösePausepau

            das ganz obere wäre sehr advanced, weil es die Betonungen auf die Synkopen legt, und würde zumindest beim Hörer so eingetaktet wie unten dargestellt (mit dem Phänomen, den Beat auszulassen und stattdessen drum herum zu spielen, arbeitet der ausgesprochen mitreissende Maracatu-Rhythmus).

            Aber vielleicht auch nicht. 12 Jahre Samba haben mich dermaßen auf diesen doofen Marcação eingetrillert, dass ich scheinbar nix mehr ohne den, oder ohne Auftakt kann.

            Beat is immer da wo das gesamte Schützenfestzelt mitklatscht. Auftakt is immer dazwischen.

            Marcação („markieren“) is ne Eigenschaft der brasilianischen Samba, genau das 16tel VOR dem Beat zu „markieren“, so dass die Rhythmusschiene immer „e1..e2..e3..e4..“ geht. Vielleicht n bisschen wie Helge Schneiders daHUMM. (vielleicht auch nicht)

            Ich kann mir vorstellen, dass auf diese rhythmische Weise ne ganze Menge Dada-Gedichte entstanden sind. Bei mir entstehen sie jedenfalls nur so.

            Der Ottomotor (apropos Otto Waalkes 60 Jahre) macht glaubich mit seiner Nockenwelle die einzelnen Zylinder in folgender Reihenfolge auf und zu: 14231423142314231423.

            Wer also ein motorisches Gedicht über Otto machen wollte, würde diese mechanische Reihenfolge mitklingen lassen (ganz ab davon, dass Waalkes seine Gags von Gernhardt bezog, also müsste quasi ein mechanischer Gernhardt bei rumspringen 1 4 2 3 Fümms Bö Wö – nee das war der andere, der aufm Baum. Humm).

            • Hab nicht damit gerechnet, dass mein kurzer Text über Frau Merkels Bemühungen soviele interessante Kommentare provoziert, die weit über das Thema hinaus oder gar davon weggehen. Vielleicht sollte ich häufiger kurze Texte schreiben.

              Herzlichen Dank für den Einblick in deine Reimwerkstatt und die beeindruckenden Ausführungen dazu.
              Ich weiß nicht, ob ich schon einmal ein Gedicht von dir gelesen habe, das dem Rhythmus: „höPÖpöpöh höPÖpöpöh höPÖP pösePausePau …“ folgt. Deine Verse oben sind ja Trochäen.

              • Trochäen? So wat hab ich anna Wand, 13ender und so. (ach nee falscher Film)

                Mir hat mal jemand versucht das mit dem Jambus und dem Trochäus beizubringen aber das is 27 Jahre her und hieß „Deutsch“. Ich find den Klang der Worte sehr schön, aber die schweben in meinem Kopf ohne Verknüpfung rum.

                JAMbus – ich mein, man sieht doch den Truck mit den Jazzmusikern vor sich. Oder träumt von BAMbus. Oder hüpft fröhlich zu Van Halens „JAMB!“

                „la BOMP, la BOMP“ würd ich mir darunter jedenfalls nicht vorstellen, oder „piep TRÖÖÖT, piep TRÖÖÖT“ („töRÖÖÖÖ!“? Benjamin Blümchen ein Jambierer??)

                Das Wort JAMbus ist ein Trochäus. Na supa.

                ich glaub ich muss mir das mal mit Samba-Strickmuster notieren. Antipasti, Amphibrachys, Kretikus? öö Spondeus…? äh, „hilfe, mein Gehirn“

  3. Du hast recht, da waren die Schweissflecken, dann das grosse
    Dekolltee und jetzt das „Obama-Kleid“.

    poc

  4. Für unser aller Kanzlerin finde ich eher ‚Allen Aufgaben hat sie sich mit Begeisterung gewidmet und sie war Neuem gegenüber stets aufgeschlossen. Sie war sehr tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen. Wir lernten sie als umgänglichen Kanzlerin kennen. ‚ angemessen

  5. in einer Demokratie können PolitikerInnen nichts anderes versuchen, als „sich“ zu „bemühen“. Irgendeinem ihrer 80.000.000 ArbeitgeberInnen werden sie’s IMMER unrecht machen. Wirklich arm finde ich nur, dass sie sich so oft nur um die Wirtschaft und Industrie bemühen.

    Ich frag mich eigentlich nur, in welcher Firma Frau Merkel nach ihrer Amtszeit landen wird. Wenn man so was schon vorher wüsste, könnte man sich besser überlegen, welchen Konzern man bei der nächsten politischen Politikerwahl ankreuzen möchte. Ich fände eine Kennzeichnungspflicht für Politiker sinnvoll, so wie auf Sportlern draufsteht wer ihr Trikot gestiftet hat, so sollte das auch auf Politikern aufgedruckt stehen…

    • Wenn wir wüssten, wieviele Politiker sich von Unternehmen und Interessensverbänden haben einkaufen lassen, würden wir unseres Lebens nicht mehr froh. Die Sitten sind ohnehin schon so verkommen, dass man oft dran tippen kann, wer hier wessen Brot isst und sein Lied singt. Unlängst hat CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla verkündet: „Kernkraft ist für die CDU Öko-Energie.“ Das ist nach Tschernobyl und den Problemen im Endlager-Salzstock Asse eine unglaublich perfide und dumme Aussage. Hier trommelt Pofalla eindeutig für und im Auftrag der Energiewirtschaft, die sich an längeren Laufzeiten ihrer bereits abgeschriebenen Atomkraftwerke dumm und krumm verdienen könnte. Pofalla sagt nicht „Atomkraft“, sondern „Kernkraft“, was viel harmloser klingt, und dieser plumpe Euphemismus in Verbindung mit dem positiv besetzten Wort „Öko“ reicht offenbar hin, dass er es sagen kann, ohne dass das Wahlvolk der CDU die Gefolgschaft verweigert.
      Da kriege ich jetzt schon einen Spangenhals. Drum lieber keine Kennzeichnungspflicht.

      • Ja, Kernkraft. Das könnte tatsächlich auch auf der Müslitüte stehen.

        Da fällt mir nur noch

        bruelli

        drauf ein.

        Demnächst heisst es dann vielleicht auf latinodenglisch „CerealPower“. Oder akronymisiert „CernKraft“ – da wär dann die Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire auch ganz hervorragend integriert.

        Hoffentlich macht der Herr Pofalla seinem Namen mal alle ÄEhre; so wie den der Hafer gestochen hat, wäre ein Inne-Nesseln-Setzen dringend angesagt.

        Pof, Alla!

    • Ach ja, fast vergessen, was die Bemühungen für die Wirtschaft betrifft: Wenn Merkel von „den Menschen“ spricht, meint sie immer die da unten. Es denen recht zu machen, ist nicht das Ziel unserer Bundesregierungen seit Kohl und Schröder.

  6. Vor ein paar Tagen habe ich ein Arbeitszeugnis im Web entdeckt und jetzt bloggst du darüber. Welch ein Zufall!
    Guckst du hier:
    http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/das-beste-arbeitszeugnis-der-welt/

  7. Ein interessantes Thema, weniger das mit Frau Merkel 😉 sondern das Zeugnisthema. Nachdem ich davon selbst hin und wieder mal betroffen bin, sowohl bei Einstellungen als auch bei Arbeitnehmern, die uns verlassen, da wundert mich etwas die Aussage, dass der Geheimcode „gelegentlich noch angewendet wird“. Ich mag jetzt vielleicht noch nicht viele hunderte Zeugnisse gesehen haben, aber in jedem, das ich gesehen habe, war dieser „Geheimcode“ enthalten. „Zu unserer vollsten Zufriedenheit“ … „zu unserer vollen Zufriedenheit“ … „zu unserer Zufriedenheit“ … das sind sehr gängige Abkürzungen im „Geheimcode“.

    Und ganz ehrlich, ich bin froh, dass es ihn gibt, den Geheimcode, denn keinem Menschen ist geholfen, wenn man einen Mitarbeiter einstellt, der in den Zeugnissen über den Klee gelobt werden MUSS und in der Probezeit verabschiedet man sich wieder, weil es nicht passt. Für beide Seiten suboptimal, außer es geht nur darum irgendeinen Job zu bekommen, die Kohle zu kassieren und ansonsten Querulant zu spielen … dann ist es nur für eine Seite unangenehm. 😉

    Mag aber sein, dass ich eine andere Einstellung zur Arbeit habe, als andere … und meine muss nicht richtig sein, aber es ist nunmal meine.

    • Danke für die Hinweise aus der Praxis. „Gelegentlich“ ist demnach ein frommer Wunsch. Erlaubt sind solche Formulierungen nicht:

      „Darf mir der Arbeitgeber ein codiertes Arbeitszeugnis ausstellen?
      Nein, Codes („Er tat sein Möglichstes“, „Er arbeitete gemäß seinen Fähigkeiten“, „Sie gab ihr Bestes“, „Er zeigte eine stets gleichbleibende Arbeitsleistung“) sind rechtswidrig. Ein Arbeitszeugnis muss wahrheitsgetreu, wohlwollend und klar abgefasst sein und es muss vollständig sein.“
      Quelle: http://www.berufszentrum.de/zeugnis_text.html

      Der Geheimcode ist auch deshalb problematisch, weil man nicht sicherstellen kann, dass alle Arbeitgeber den Geheimcode kennen. So können sich in ein Arbeitszeugnis auch Floskeln einschleichen, die man als Code deuten kann. Deshalb die Empfehlung aus gleicher Quelle:
      „Falls Sie möchten, dass Ihr Zeugnis nicht mit der Geheimcodesprache interpretiert wird, können Sie folgende Formulierung vor den Schlusssatz im Zeugnis setzen lassen: ‚Dieses Zeugnis enthält keine verschlüsselten Formulierungen. Eine Interpretation im Sinne einer ‚Zeugnissprache‘ würde die Aussage dieses Zeugnisses nicht im Sinne der Verfasser wiedergeben.'“

      Ich verstehe deinen Standpunkt. Allerdings gilt es zu bedenken, dass ein schlechtes Zeugnis auch aus Missfallen der Person oder aus Rache ausgestellt sein kann. Daher ist es meiner Ansicht nach besser, in Zeugnissen eine eindeutige Sprache zu verwenden. Mängel in einer Arbeitsleistung lassen sich auch durch das gezielte Weglassen bestimmter Floskeln andeuten. Denn niemand kann von einem Arbeitgeber verlangen, dass er etwas bescheinigt, was nicht der Wahrheit entspricht.

      • „Denn niemand kann von einem Arbeitgeber verlangen, dass er etwas bescheinigt, was nicht der Wahrheit entspricht“ … damit triffst du den Punkt. Nehmen wir doch einfach mal an, dass du einen „schwierigen“ Mitarbeiter hast und du musst ihm ein Zeugnis schreiben, aber du darfst nichts Negatives schreiben. Das Zeugnis wird durch „Weglassen“ extrem kurz. Was soll das? Ist ebenfalls ein „Geheimcode“, oder?

        Ich bin nunmal genau für das, was du schreibst … „Ein Arbeitszeugnis muss wahrheitsgetreu, wohlwollend und klar abgefasst sein und es muss vollständig sein.“ … Vollständigkeit durch „Weglassen“? Wahrheitsgetreu durch „Schönfärberei“? Rache oder Ähnliches ist genauso unehrlich, wie Floskeln einer Geheimsprache oder das Schönfärben, dies alles sollte unterlassen werden, aber es ist ja sogar verboten, teilweise zumindest.

        Letztlich zählt es, wie der Mitarbeiter auf Arbeit ist, und nicht was gedruckt steht, oder? Und wie er ist, das kommt in der Probezeit auf. Wem hilfts?

        • Schon unsere kurze Diskussion hier zeigt, dass Arbeitszeugnisse eine heikle Angelegenheit sind. Im übertragenen Sinne ist natürlich auch das Weglassen ein Geheimcode, doch formal ist es keiner, da nichts dergleichen aufgeschrieben wurde. Trotzdem kommt es auch in solchen Fällen zu arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzungen. Entscheiden kann man da nur am Einzelfall.

  8. Frau Merkel…wirklich nicht die Frau meiner politischen Wahl…ist nun mal ein Ossi und wir Ossis haben gelernt das zu sagen, was wir meinen. Unsere Zeugnisse haben das ausgesagt was man meint und dieser Geheimcode ist einfach furchtbar. Er ist genau so verlogen wie diess system und die Politik die darin gemacht wird, zum Nachteil von uns allen.

    • Zu den DDR-Arbeitszeugnissen habe ich eben in einer kurzen Recherche hier http://inhalt.monster.de/1849_de_p1.asp
      das gefunden:
      „Aus meiner Erfahrung heraus sind DDR-Arbeitszeugnisse für Bewerbungen auf die heutigen Berufe sowieso nicht kompatibel“, sagt Bewerbungstrainer Ralf Moeck (39) aus Berlin. Arbeitgeber würden vielmehr darauf achten, wie sich der Kandidat seit 1990 beruflich entwickelt und wie er den Übergang in die freie Marktwirtschaft gestaltet hat. „In der Regel ist es so, dass Bewerber die Arbeitszeugnisse aus dieser Zeit von sich aus weglassen. Und wenn dann auch noch Formulierungen wie „besonderer Kämpfer für das Volk“ oder „verdienter Genosse“ drin vorkommen, die eine Verbindung zur Stasi erkennen lassen, dann setzen die Bewerber sowieso alles daran, dass ich diese Schriftstücke nicht zu Gesicht bekomme“

      „Besonderer Kämpfer für das Volk“ und „Verdienter Genosse“ war demnach der Geheim-Code für Stasi-Tätigkeit. Das nächste Zitat entschuldigt dann aber Frau Merkel, denn: „… war stets bemüht… bedeutete in der DDR – im Gegensatz zu westdeutschen Arbeitszeugnissen – dass der Kandidat wirklich sein Allerbestes gegeben hat und damit positiv auffiel.“
      Merkels Berater hätten sie also darauf hinweisen müssen, dass die Floskel in den alten Bundesländern falsch verstanden werden kann.

      Herzlichen Dank für deine Hinweise. Dass die Menschen in der DDR gelernt hätten, immer das zu sagen, was sie meinen, hatte ich schon bezweifelt, bevor ich nachgelesen habe. Ich glaube, dass man in einer Diktatur eher lernt, nicht das zu sagen, was man meint. Wer es getan hat, geriet in Schwierigkeiten, wurde mit Berufsverbot belegt oder gar ausgebürgert, oder nicht?

      • „Besonderer Kämpfer für das Volk“ und „Verdienter Genosse“
        Derartige Formulierungen habe ich nichtgesehen, nirgends und auch über einen Geheimcode ist mir nichts bekannt. Entweder fehlt mir hier Wissen (War zum Ende der DDR ja erst 19), oder aber, hier hat mal wieder ein „Wessi“ versucht DDR Geschichte aufzuarbeiten, was immer wieder gründlich in die Hose geht und zu Verfälschungen der wahren Lebensumstände in der DDR führt.

        Wenn in unserem Zeugnis stand: „Er hat sich stets bemüht.“, oder „er war sehr kameradschaftlich“, dann war das auch genauso gemeint und keinesfalls ein Hinweis auf Versagen oder Alkoholismus. Wenn jemand nicht in der Lage war große Leistung zu bringen, dann hat man das ins Zeugnis geschrieben, ohne daß die Person danach bloßgestellt und verachtet war. Kritik mußte man hinnehmen und an sich arbeiten. Da mußte niemand einen Code erfinden, damit er hinter dem Rücken des Betreffenden, die Person beim neuen Chef madig machen kann.
        Zu DDR Zeiten konnte man schon seine Meinung sagen, aber man mußte damit rechnen von bestimmten Genossen dafür diffamiert zu werden. Es gab auch in der DDR Neider und Anschwärzer. Der Gerade Weg war weder hüben noch drüben immer der Einfachste und deshalb haben viele einfach die Schnauze gehalten, was der Grund dafür war, daß irgendwann die falschen Leute entschieden haben und nicht mehr die wahren Sozialisten. Ganz zum Schluß, als das neue Forum wirklich etwas ändern wollte, da hat man ja auch lieber den bequemen Weg gewählt und wir wurden von der BRD annektiert. Das war der Zeitpunkt, zu dem wir dann alle von Herrn Kohl aus der DDR ausgebürgert wurden. Vorher passierte das niemandem, der nur einfach seine Meinung sagte. Zum Ausbürgern gehörte schon mehr, dazu mußte man schon das sozialistische System als solches in Frage stellen. Was passiert den jetzt einem Menschen, der das kapitalistische System in Frage stellt oder gar die Verfassung? Er wird ganz schnell beobachtet werden und wehe, wenn man ihm habhaft wird, aber das ist eigentlich schon wieder ein ganz anderes Thema mit nicht weniger Brisanz.

        • Dass du die Formulierungen „Besonderer Kämpfer für das Volk“ und „Verdienter Genosse“ nicht kennst, ehrt dich, dann hattest du auch solche Kontakte nicht. Ich glaube nicht, dass sich ein Wessi solche Formulierungen ausgedacht hat, denn er könnte ja leicht widerlegt werden.
          Hinsichtlich der Codes sind wir einer Meinung. Der Versuch der Täuschung in Arbeitszeugnissen ist einfach schoflig.

          Sag, wer hat denn den „bequemeren Weg gewählt“ und ist den Versprechungen Helmut Kohls verfallen? Es muss doch eine starke Strömung in der DDR gewesen sein, die den Weg des Neuen Forums nicht gehen wollte. Der Ausverkauf des DDR-Volksvermögens durch die Treuhand ist ein Schandfleck in der Geschichte der Wiedervereinigung. Da wundert es nicht, dass viele Bürger in den neuen Bundesländern mit Wehmut an die DDR zurückdenken und auch geneigt sind, sie zu idealisieren.
          Ich bin einmal nach der Wende in Bautzen gewesen. Dort haben viele eingesessen, die sich mit dem herrschenden System nicht arrangieren konnten. Etwas Ähnliches gibt es derzeit im vereinten Deutschland nicht.

          Es hat in der BRD zur Zeit des Kalten Krieges durchaus negative und bedenkliche Entwicklungen gegeben, den Radikalenerlass beispielsweise. Wer einmal an einer Demonstration teilgenommen hatte, wurde vom Verfassungsschutz überprüft, und wenn er Pech hatte, konnte er nicht einmal mehr Postbote werden. Heute wird die Post sogar von privaten Zustellerfirmen ausgeteilt. Der größte Druck auf die Meinungsfreiheit geht derzeit eher von der Wirtschaft aus. Man straft Zeitungen durch Anzeigenentzug ab, wenn sie etwas Negatives geschrieben haben, versorgt sie andererseits mit PR-Material, man durchsucht das Internet nach kritischen Aussagen eines Stellenbewerbers usw.

  9. Das Arbeitszeugnis von der Merkel fällt schlecht aus, eben miserabel! Meine Meinung zu Frau Merkel hier:

    http://meinemeinung.blog.de/2008/07/23/innenpolitische-schlampe-4487869

    und hier:

    http://meinemeinung.blog.de/2008/07/14/she-did-it-again-4446773

    und wer es noch nicht gemerkt, wes geistes Kind die Merkel samt Regierungsmitglieder sind, der darf dann schön weiterträumen, bis er selbst von irgendwelchen Einsparungen seiner Firma getroffen wird!

    • Gut gesprochen. Zu deinen Artikeln fällt mir die satirische Fotomontage von John Heartfield ein: „Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.“ Ich bin gespannt, ob die Deutschen bei den nächsten Wahlen mehr politische Klugheit zeigen. Zu erwarten ist es nicht, denn die Propagandamaschine der Metzger läuft wie geschmiert. Die Medien springen auf jedes noch so blöde Beispiel politischen Aktionismus an, und inzwischen stammen viele Medienberichte von Agenturen, die im Auftrag der Wirtschaft oder politischer Gruppen arbeiten. Dieser gezielten Desinformation kann sich kaum jemand entziehen, zumal die Tendenz besteht, sich von der Politik abzuwenden und zu resignieren.

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