Wenn auch die Lotsen verwirrt sind

Abbilden

„Aber Bloggen! Wozu die Menschen heutzutage Zeit finden!“, schrieb mir unlängst Thomas Gsella, Chefredakteur der satirischen Zeitschrift Titanic. Man kann von den Kollegen der Presse nicht erwarten, dass sie das neue Publikationsmedium Weblog freudig begrüßen. Sie reden es lieber klein. Schließlich rauben Blogs den Printmedien nachhaltig und zunehmend die informelle Oberhoheit und bedrohen Arbeitsplätze in den Redaktionen. Bis etwa zur Jahrtausendwende schien die Welt des professionellen Journalismus noch in Ordnung. Ausschließlich Redaktionen sichteten Informationen, wählten aus der Fülle des Angebots, erschlossenen Themen, nahmen Stellung, setzten Trends und bestimmten die öffentliche Diskussion. Es schien stets genau soviel zu passieren, wie gerade in die Zeitung, in die Wochenzeitschrift oder in die Tagesschau passte.

Die freie Presse ist das wichtigste Kontrollorgan einer Demokratie. Die Alliierten haben nach 1945 ein kluges System erdacht, wie den Deutschen Demokratie und eine Idee von Meinungsfreiheit beizubringen wäre. Die Lizenzen für Zeitungsgründungen wurden so vergeben, dass sich in den jeweiligen Verbreitungsgebieten eine linksliberale und eine rechtskonservative Zeitung gegenüberstanden, zum Beispiel: Aachener Nachrichten (linksliberal) – Aachener Volkszeitung (rechtskonservativ), Kölner Stadtanzeiger (linksliberal) – Kölnische Rundschau (rechtskonservativ), Frankfurter Rundschau (linksliberal) – Frankfurter Allgemeine Zeitung (rechtskonservativ). Diese Ordnung brachte eine lebendige politische Diskussion und hat die Entwicklung unserer Demokratie entscheidend geprägt.

Inzwischen sind in unserer Zeitungslandschaft nur noch Reste dieser Struktur zu sehen. Mit dem Ende der Bleizeit in den 70er Jahren gerieten viele Zeitungen in wirtschaftliche Probleme, gegen die man sich mit Zusammenschlüssen half. So fusionierten Aachener Nachrichten und Aachener Volkszeitung, gingen auf in einem gemeinsamen Zeitungsverlag, der wiederum seit 2007 in Teilen der Mediengruppe Rheinische Post gehört. In Köln ging es ähnlich zu. Die Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg gibt seit 1999 zusätzlich zum linksliberalen Kölner Stadtanzeiger auch die konservative Kölnische Rundschau heraus. 2006 kaufte DuMont sich bei der angeschlagenen Frankfurter Rundschau ein. Diese Beispiel der bedenklichen Pressekonzentration in Deutschland lassen sich fortführen. Sie gehen mit einer inhaltlichen Nivellierung einher und kennzeichnen so den Abstieg eines stolzen und wichtigen Publikationsmediums.

Wer in der Buchkultur aufgewachsen ist und es sich leisten kann, nimmt noch allmorgendlich ein Zeitungsbad, wenn’s auch immer lauer wird, weil Journalisten zunehmend Rücksicht auf wirtschaftliche Zwänge nehmen. Den Kindern der Internetkultur ist die Zeitung zu lahm. Mit der überwältigenden Vielfalt der Internetangebote kann sie nicht konkurrieren. Dieser Autoritätsverlust der etablierten Medien ist nicht mehr umzukehren, solange das Internet besteht.

Der Medienphilosoph Vilém Flusser (* 12. Mai 1920 in Prag, † 27. November 1991) hat die Entwicklung schon Ende der 80er Jahre vorausgesagt. Er sah die Buchkultur im Abendrot versinken und eine „telematische“ Gesellschaft heraufziehen, deren wesentliches Merkmal die Entwertung der Schrift, die Aufwertung der Zahl und des technischen Bildes ist. Mit dem Entstehen der Internetkultur hat sich Flussers Idee konkretisiert. Sie hat Gestalt angenommen, obwohl sie gestaltlos ist, nulldimensional, wie Flusser sagt. In der von ihm beschriebenen telematischen Gesellschaft gibt es keine Autoritäten. Hier dominiert die Diskussion. Durch ihre Vernetzung lenkt die telematische Gesellschaft sich selbst, ist in Flussers Vorstellung ein „kosmisches Hirn“. Eine ähnlich positivistische Idee ist die der Schwarmintelligenz.

„Aber Bloggen!“ – Gelegentlich fragt sich mancher Blogger, was er eigentlich macht. Wozu ist es gut, unentwegt Texte und Bilder zu publizieren, sollte man das nicht besser den Profis überlassen? Die Frage ist müßig, denn indem ein Medium zur Verfügung steht, wird es genutzt. Die Entscheidung des Einzelnen, ob er bloggt oder nicht, ist ohne Belang, solange die Zahl der Blogger weltweit zunimmt. Derzeit wissen viele Blogger noch nicht recht einzuschätzen, welches Werkzeug ihnen in die Hand gegeben wird. So geht es zu in den Anfängen eines Mediums, es gibt wenig Fachkenntnis, kaum Regeln und daher allgemeinen Wildwuchs. Ob sich hier tatsächlich etwas Ähnliches wie kollektive Intelligenz entwickelt, muss sich noch zeigen.

Das Internet hat unseren Alltag nachhaltig verändert. Es zeigt uns die ungeheure Komplexität der Welt und raubt uns die Begriffe. Und indem sich die Welt nicht mehr allein von Redaktionen gefiltert darbietet, reiben wir uns die Augen und erkennen, dass wir von allem, was wir sicher zu wissen glaubten, nur den Schein der Oberfläche kannten. Doch auch das Internet bietet nur Oberflächen, und schaut man dahinter, erscheint eine neue Oberfläche. Ein jeder Gegenstand der Betrachtung gleicht einer Zwiebel, Schale über Schale. Das ist das Dilemma unserer globalisierten und überinformierten Welt. Niemand kann mehr alle Zusammenhänge überblicken oder gar begreifen. Das gilt auch für die einst so kundige Fährleute aus den Redaktionen. Und da selbst sie die Untiefen im Ozean der Informationen nicht mehr überblicken, verlegen sie sich zunehmend auf Meinungsmache, ein Trend, der sich in allen Zeitungen ablesen lässt. Die Stilformen der Zeitungen verwischen, viele Berichte, die einst nur die Information darbieten sollten, enthalten Meinungsanteile. In den 90ern hat die Frankfurter Rundschau ihre Leser noch typographisch auf solche Mischtexte aufmerksam gemacht. Man setzte die Überschrift kursiv, wenn der Bericht auch kommentierende Elemente enthielt. Diese typographische Achtungsbezeugung vor der Selbstbestimmung des Lesers wirkt zehn Jahre später nur noch altmodisch.

Die Fehlentwicklungen beim Printmedium bringen eine Abkopplung von Traditionen der Buchkultur. Damit beschleunigt es den eigenen Niedergang. Es liegt eben nicht nur an der Konkurrenz durch Blogs und andere Erscheinungen des Internets, wenn unsere Zeitungslandschaft erodiert.

Flussers Idee der telematischen Gesellschaft ist eine Utopie. Und da sich Utopien nicht zu verwirklichen pflegen, dürfen wir auf das Entstehen von kollektiver Intelligenz nur hoffen. Vielleicht sind selbst Blogs eine vorübergehende Erscheinung, denn sie sind Zwitter, stehen mit einem Bein in der Buchkultur und tasten mit dem anderen in die Nulldimension des technischen Bildes. In diesem Sinne bilden sie auch eine Klammer und sorgen dafür, dass der Geist nicht gar so rasch im Internet-Orkus verschwindet. Man muss sich das Weltgeschehen als Rückkopplungsmodell vorstellen. Was an Information erzeugt wird, wirkt auf das Geschehen zurück und verändert es. So hat jeder, der sich eines Publikationsmediums bedient, seinen Anteil an der Gesamtentwicklung. Das ist ein guter Grund, eine Zeitung zu machen wie auch zu bloggen.

Dieser Beitrag wurde unter Teppichhaus Intern abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Kommentare zu Wenn auch die Lotsen verwirrt sind

  1. Während dem Lesen deines Textes, habe ich an etwas gedacht.
    Ganz am Schluss, hast du es selber geschrieben:

    „Das ist ein guter Grund, eine Zeitung zu machen wie auch zu bloggen.“

    Das hat schon, bei vielen Zeitungen angefangen. Die Entwicklung ist interessant.

    Wenn Blogs eine vorübergehende Erscheinung sind, dann wird etwas danach kommen. Was?

    • Das, lieber Poc, kann niemand sagen. Derzeit ist unser Denken noch von der Schrift geprägt, ist logisch und linear. Wie ein anderes Denken in Flussers Sinn funktioniert können wir erst erkennen, wenn es sich durchgesetzt hat.

  2. Meinungsmache / gute Information – das Problem gibt es bei beiden Medien – da nimmt das eine dem anderen nichts.

    Den wesentlichen Unterschied zwischen Blog und Printmedien sehe ich darin das sich der Blogautor i.d.R. seinen Lesern stellt –
    in den Zeitungsredaktionen werden doch in der Regel nur Eintagsfliegen produziert die man dann als Waisenkinder in die Welt entlässt, wenn überhaupt kümmert sich ein unterbelichteter Praktikant, der für anderes nicht zu gebrauchen ist, um die Leserbriefe.

    • Ich habe, während vielen Jahren, in Verlagshäusern in der Schweiz gearbeitet. Zwar nicht in den Redaktionen, aber ich hatte einen guten Kontakt zu den Redaktionen.

      Mir ist einiges aufgefallen. Ein Punkt ist, dass die meisten Journalisten nicht für die Leser, aber für die Kollegen schreiben. Das schönste Kompliment ist, wenn ein Kollege, einer andern Zeitung, sagt: „Das hätte ich bei uns nicht schreiben dürfen“. Dann ist der Tag gerettet.

      poc

      • Geht das uns Bloggern nicht ähnlich? – Sind uns Kommentare von anderen Bloggern nicht auch wichtiger als externe ?

        Ein selbst bezogenes, quasi fast geschlossenes Netzwerk, aber zumindest nimmt inzwischen der Austausch zwischen verschiedenen Blogplattformen zu 😉

      • das haben wir hier beim radio ähnlich – und wenn es dann nach mir gingen, gäbe es mehr kultur und glaubenssachen im programm 😉

        aber im ernst, es geht auch der spruch rund, dass der kollege eben der erste leser/hörer sei…

        viel schwieriger ist es, bei der präsentation der themen sich dahin gehend zu orientieren, was man annehmen kann/will oder nicht. und da, so muss ich gestehen, halte ich es mit mark twain, der da sagt: „wir lieben die menschen, die frei heraus sagen, was sie denken, sofern sie dasselbe denken wie wir“

        • Du arbeitest bei Radio? Ich beneide dich.
          In Bern habe ich bei Radio Förderband und bei Radio Extra BE
          mitgearbeitet. Hier in Genf, während 2 Jahren, als freier Mitarbeiter beim Lokal TV „Léman Bleu“. Jetzt habe ich nur noch einen Blog…

          Radio ist mein Lieblinsmedium. Schon als Kind war ich vom Radio begeistert.

          Liebe Grüsse

          pocemon, genf, schweiz

      • @ Poc & Immekeppel
        Eigentlich ist es nachvollziehbar, dass einem Autor das Lob der Kollegen wichtig ist, denn sie sind ja in der Regel Fachleute und wissen eine Leistung deshalb gut einzuschätzen.

    • Lieber Reinhold, du machst auf einen wichtigen Punkt aufmerksam: Die Interaktion zwischen Autor und Leser ist eine besondere Eigenschaft der Blogs.

  3. allgemeiner wildwuchs…. ich habe den ruf vernommen erkläre meine blogpause für beendet ;-)…

    aber im ernst, ein lesenswerter und äusserst informativer beitrag, obwohl ich das mit der kollektiven intelligenz, wenn ich mir die machtverhältnisse ansehe, äusserst fragwürdig halte.

    ach ja, grad vorgestern habe ich in einem meiner lieblingsblogs noch was über jungle-world goes internet gelesen

    lg

    • Wie schön. Schon beim Schreiben des Wortes habe ich an dich gedacht.

      Und du hast Recht, auch im Internet formiert sich wirtschaftliche Macht, weshalb die Idee einer basisdemokratischen Entwicklung von kollektiver Intelligenz wohl ein bisschen blauäugig ist.

      Danke für den Hinweis und den Link, und lieben Gruß
      Jules

  4. Jedes Medium hat seien Berechtigung. Ich glaube auch nicht, dass die Zeitungen aussterben werden. Sie werden ja schon allein von der gesellschaftlichen Werte- und Geldträgern gebraucht, um ihre Word schnell und umfänglich an den Mann zu bringen, ob Konsument will oder nicht.

    Dies ist ein Mangel am Internet, denn es lebt vom Interesse der Menschen. Jeder findet, was er finden will. Was er nicht will, wird und kann ignoriert werden.

    • Ja, totgesagte leben länger. Niemand kann voraussagen, wie sich die mediale Landschaft ordnet. Natürlich wünsche ich mir eine starke Presse. Doch unter dem Druck wirtschaftlicher Zwänge leidet die Qualität erkennbar.

  5. ich glaub, eins der größeren Probleme der Medienlandschaft ist sowohl die zunehmende Verquickung von Zeitungen verschiedener Ausrichtung miteinander, als auch die Verquickung mit Radio- und TV-Stationen zu großen Konzernen. So wird die „Information“ für alle Medientypen nur noch aus einer Hand kommen, und dort sitzen dann ausgerechnet die Personen in Ämtern / Aufsichtratposten, die für ihre politische Meinung eigentlich besonders kritisch von den Medien beobachtet werden sollten.

    Ich kann mir vorstellen, dass das Internet „auch deswegen“ als „böser Wildwuchs“ und „Gefahr“ fürs Etablierte hochstilisiert wird.

    Richtig, im WWW und in Blogs schreiben auch sehr viele Personen die keine Ahnung haben, und die schreiben viel Müll – aber in der Zeitung hab ich auch schon viel Müll von sogenannten ausgebildeten JournalistInnen gelesen, von dem die Interviewten ganz klar sagten:

    Das ist entstellt und falsch wiedergegeben! – und im TV isses noch krasser, dort werden die Aussagen von Interviewten verstümmelt und, der Dramaturgie / angeblich für die Einschaltquoten notwendigen Sensationsmache des Mediums folgend, derart aus dem Zusammenhang gerissen, dass diese Personen zwar ihr Gesicht aber nicht ihre „eigenen Sätze“ wiedererkennen.

    Und zwar geht dieses Verstümmeln und Entstellen der Aussagen thematisch quer durch die Bank, egal ob es sich um die Darstellung wissenschaftlicher Forschung (Huftiere, Verhaltensforschung) im Hessischen Rundfunk oder in der Frankfurter Rundschau (inklusive Fotos mit mehrfach falscher Autorenangabe!!!) handelt, oder um die Vorstellung des (das persönliche Leben betreffenden) Themas Objektophilie in den Medien (TV, Print, verschiedene).

    Die meisten „ausgebildeten“ Journalisten heute sind auf ihren „Beruf“ entweder nicht vorbereitet, oder aber irgendwelche journalistischen Regeln haben sich stillschweigend gewandelt, oder werden mit Kusshand ignoriert, solange sich nur das Sensationsgeschrei rausschlagen lässt, das der Interviewte – als real in einer realen Umgebung lebende und wiedererkennbare Person – um jeden Preis vermeiden wollte. Diese „Journalisten“ pressen einem Thema – oft aus ANGEBLICHEM Zeitmangel – schnell ihre eigenen Vorstellungen von Dramaturgie auf, und missbrauchen auf diese Weise die Interviewten, ohne dass in der nächsten Ausgabe auch nur ein einziges Wort der Richtigstellung hinterhergeschoben wird. Und Leserbriefe? „Wir behalten uns […] Kürzung vor.“ Diese TV-typische Kurzatmigkeit erreicht auch die Zeitungen in immer größerem Maße.

    Wie sagte schon Pink Floyd: „You’ve got thirteen channels of shit on the tv to chose from“. (Comfortably Numb, vom Album „The Wall“, 1979)

    So wie es gerade abläuft, haben die „klassischen“ Medien und etablierten Verlage jedenfalls allesamt die Informationshoheit und das Vertrauen definitiv nicht mehr verdient, und zwar von der Zeitung angefangen bis zur TV- und Radiostation.

    • ach so, sorry für diese ellenlange Medienschelte, ich hab da scheinbar nen Hals drauf gesammelt.

      • Wann immer man in einer Zeitung ein Thema findet, zu dem man selbst einige Sachkenntnis hat, wird man enttäuscht sein. Das gilt auch für Zeitungstexte, die sich mit einem Ereignis befassen, das man aus unmittelbarer Anschauung kennt. Schon findet man journalistische Verfremdungen, inhaltliche Verkürzungen und Verfälschungen. Es liegt in der Natur des Mediums. Daher verstehe ich deine Kritik und auch, dass du aus persönlichen Gründen nicht gut auf die mediale Aufbereitung von Themen zu sprechen bist. Pauschal kann man den Journalisten jedoch nicht handwerkliches Können und Sorgfalt absprechen. Sie stecken ja wie wir auch in Beziehungsgeflechten und müssen einen Weg finden, verschiedenen Ansprüchen gerecht zu werden.

        • Jo, da hast Du schon recht, man kann nicht allen Journalisten die Sorgfalt absprechen. Zumal die oft korrekt recherchierte Texte abliefern, und dann wird’s in der Redaktion so derart verstümmelt, dass der Zusammenhang weg ist.

          Meine frühere Mitbewohnerin hat mal ein journalistisches Praktikum bei der „Welt“ gemacht, und selbst dort verschwanden Textteile, die zum Verständnis oft wesentlich beigetragen hätten.

          Das Problem ist, dass die Journalisten oft mit unklaren Angaben zur gewünschten Beitrags- oder Artikellänge losgeschickt werden, und bei Fernsehgeschichten wird 2 Stunden gedreht – mindestens – und nachher 90 Sekunden gesendet – höchstens.

          Und der Ablieferator für das Material hat kein Mitspracherecht mehr, was mit seinem Material gemacht wird; der Interviewte – oder auch Bloßgestellte – ist zum reinen Content geworden, ohne jegliche Persönlichkeitsrechte.

          Sobald eine Privatperson, also keine Person Öffentlichen Interesses, identifizierbar ist, muss eigentlich von der kleinsten bis zur größten Instanz gewährleistet sein, dass diese Person nicht entstellt, entwürdigt und im Ruf geschädigt wird, sondern ein Vetorecht VOR der Ausstrahlung oder dem Abdruck eines entstellenden Beitrags hat.

          Vielleicht sind’s nur ein paar wenige Schwarze Schafe, die den Ruf ALLER Journalisten bei mir abgrundtief versaut haben. Vielleicht ist es auch nur EIN Marburger Fotograf, der den Ruf ALLER Pressefotografen durch wiederholtes Einstreichen der Prämien für Privatbilder, die er NICHT gemacht sondern beim Interviewten geklaut hat, bei mir versaut hat.

  6. Die gute alte Titanic versinkt mit ihrer Zielgruppe. Heute schimmert nur noch ein schäbiger Rest ihrer einstigen Pracht auf dem Ozean des ausgewählten Humors. Da würde mich eine solche Äusserung des Kapitäns nicht sonderlich irritieren, oder war es vielleicht der Entwurf eines Werbebriefs für neue Abonnenten?

    • Ich glaube, es wird immer schwieriger, den Irrsinn unserer Tage noch satirisch zu überhöhen. Doch ich wünsche mir, dass die Titanic sich noch eine Weile hält. Ein besseres Satiremagazin sehe ich derzeit nicht.
      Das Zitat stammt aus einer privaten Mail und ist gewiss kein guter Text für einen Werbebrief.

  7. ein wirklich gutgeschriebener beitrag, lieber jules!

    im übrigen ist auch unsere grösste, „die mitteldeutsche zeitung“ den herren duMont 1990 „in den bestand gefallen“.

    die lizenzverteilung war tatsächlich klug gedacht…

    viele grüsse aus mücheln und: wir drucken grad die „gelben“ für aachen 😉

    ein schönes pfingstfest wünsche ich dir, lieber jules!

    jenne

    • Du hast Recht, lieber Jenne, DuMont hat auch die Mitteldeutsche Zeitung gekauft, womit sie allerdings noch besser dasteht als die Berliner Zeitung, die sich inzwischen unter der Fuchtel des Finanzinvestors David Montgomery behaupten muss.
      Die Gelben werde ich mir diesmal mit Vergnügen abholen, nachdem ich weiß, dass du daran mitgearbeitet hast.

      Lieben Gruß in den Pfingstmontag
      Jules

      • vielen dank für die pfingstgrüsse, lieber jules!

        heute habe ich wieder die erste schicht, und werde so wiederum auf die „gelben“ stossen, jedoch hatte ich jetzt zwei tage nette gäste aus halle (langjährige freunde) mit denen ich see, geiselquelle und die altstadt besichtigte. kai ist ein hervorragender musiker und die klänge seiner gitarre werden noch eine weile in den zweigen des gartens schweben. so war der pfingstausklang auch ein schöner.

        liebe grüsse und einen angenehmen abend,
        jenne

  8. danke für diesen interessanten eintrag. und auch die erwähnung von vilém flusser. da sollte man dann vielleicht etwas weiterlesen…

    aber eins ist auch anzumerken: du beginnst mit einem zitat, wo die frage aufgeworfen wird, woher man bleim bloggen all die zeit nehmen soll…, der aber danach überhaupt nicht nachgegangen wird… vielleicht tust du die ja als rhetorisch gedacht ab…

    aber ich sehe das zeitproblem beim aktiven bloggen in der tat als eines der größten. was nützt der schönste blog, wenn er nur von einem arbeitslosen hervorgebracht werden kann?

    und das mit dem wildwuchs sehe ich nicht so, ich sehe gerade das gegenteil: die nur wenigen blogger, die sich heute noch die mühe machen, texte zu veröffentlichen, wissen sehr wohl, was sie da tun, denn sie reflektieren ihren literarischen geschmack. sie setzen ihre meinungen in einer veralteten, also stilvollen weise, ein. schwieriger wird es bei der generation, die ohne grimms märchen, dafür aber mit rambos filmen und counterstrike-pc-spielen aufwachsen muss, also jene, die gerade jetzt kind sind. die werden in einem blog lediglich ein mittel sehen, sich mit abgehackter sprache gegenseitig auf neue spiele oder filme oder sounds aufmerksam zu machen, wie früher die neandertaler…

    da wird dann weder was von kollektiv, noch von intelligenz, und schon gar nichts von „kollektiver intelligenz“ zu spüren sein… da bleibt dann nur noch eine verschrumpelte „künstliche intelligenz“ übrig… für die ganz altmodischen, die das dann noch meinen brauchen zu müssen…

    • Wenn du dir das Zitat genau anschaust, dann steckt darin nicht die Frage, woher man die Zeit zum Bloggen nehmen soll. Es ist ein Ausdruck des Erstaunens, dass Menschen sich Zeit für so etwas Unwesentliches wie Bloggen nehmen. Dazu musst du wissen, dass ich über 10 Jahre freier Titanic-Autor war und in den letzten drei Jahren nur noch selten etwas für Titanic geschrieben, sondern überwiegend gebloggt habe. Ich sehe darin eben mehr als nur Hobbybastelei.

      Es gibt gewiss einige Blogger, denen Qualität wichtig ist hinsichtlich Form, Inhalt und Sorgfalt der Recherche. Doch nach meiner Einschätzung gehen sie unter in der Vielzahl von Blogs, die handwerklich schlecht gemacht und deren Inhalte nur für einen kleinen Kreis interessant sind. Das größte Problem der Blogs ist ihre geringe Resonanz, und leider korrespondiert sie in vielen Fällen mit einer arglosen Belanglosigkeit der Inhalte. Daher auch das geringe Ansehen der Blogs unter Fachleuten.

      • das mit dem zitat war mir schon klar, meine aber, dass es keinen großen unterschied macht, ob ich eigentlich „keine zeit“ habe, mich wundere, wo ich die „zeit hernehme“ oder wieso ich mir überhaupt „zeit nehme“. es geht ja nicht um die zeit, sondern um das schreiben, welches das bloggen im wesentlichen ausmacht.

        und wenn deines erachtens bloggen „unwesentlich“ ist, dass es aber auch gleichzeitig mehr ist als bloße „hobbybastelei“, wie du angibst, dann sollten wir uns auf voltaire (oder war es diderot? weißt du besser) besinnen, der meinte, bevor wir anfangen zu diskutieren, sollten wir unsere begriffe definieren (frei zitiert).

        frage: was ist ein „blog“?

        meines erachtens ist ein „blog“, also das führen eines „web-logs“, ein gedanken-tagebuch, das gleichzeitig für mich selbst als auch für jedermann im internet lesbar ist. dabei kann man eben auf beides den hauptschwerpunkt legen: sowohl auf ein privates notizbuch, elektronisch gespeichert, nur für mich, als auch auf eine medien-plattform in möglichst hellem licht. viele wollen sogar beides vereinen, was aber einen widerspruch ausmacht. und nun diesem widerspruch nachgehen und, statistisch oder per gefühl, zu bewerten, was die masse an blogs ausmacht, erscheint mir müßig, denn: die masse wird immer masse bleiben, egal was sie tut. aber: zur masse gehört immer einer mehr, als ich selbst annehme! (zitat: rolf hochhuth)

        ich denke nicht wie du, dass „blogs mit qualität in der masse untergehen“, denn das kostbare am internet ist ja die gleichzeitigkeit der medien: ich setze einen blog, dessen verfasser ich traue, unter meine favoriten oder abonniere ihn. so kann nichts „untergehen“. und das abo eines blogs ist nichts anderes als das abo einer zeitung oder eines tv-senders. es sind wörter und sätze, die ich lese (oder höre), und wenn mich die aussagen, die ich darin erkenne, überzeugen, dann unterhält oder bildet mich das, ganz nach meinen wünschen. ob es sich um fachleute handelt, hängt nicht von der plattform, sondern den gedanken und meinungen ab, die ich lese.

        dazu musst du wissen, dass ich in meinem blog einen journalisten verlinkt habe, der im echten sinne professionell ist. es handelt sich um john pilger. von ihm könnte man auch leichthin sagen, dass er in der massen-propaganda von „bild“ und „sun“ und „weißem haus“ untergeht. mag sein. wäre auch so, wenn ich eben nicht zugriff auf seinen webplatz hätte. habe ich aber. und dieser webplatz könnte genausogut ein blog sein. ist mir wurscht. ich klicke und lese seine artikel. was will ich mehr?

        aber gleichzeitig lese ich auch von meinen blogfreunden, die in anderen berufen tätig sind, und teilweise auch rentner sind. keine möglichkeit, sie ständig nach ihrer schulbildung zu fragen. man muss da nach seiner menschenkenntnis gehen. und die hat mich bisher noch nicht getrogen.

        dass es einen großteil blogger gibt, die es nicht wert sind, zugänglich zu sein, ist klar. merkt man, wenn man sich durch die „nächsten blogs“ klickt. es schaudert einen teilweise. das ist aber auch so, wenn du ins theater oder auf den fußballplatz oder ins kino oder in die disco gehst. du begibst dich unters volk. und da findet sich halt jedermann. aber eben auch immer die, die du als leser für dein schreiben haben willst.

        • Ich finde das Bloggen nicht unwesentlich, wie ja auch aus meinem Text hervorgeht, sondern ich interpretiere Thomas Gsellas Aussage.
          Bevor ich 2005 mit dem Bloggen begann habe ich 10 Jahre intensiv Tagebuch geführt. Ein Weblog ist für mich die Fortsetzung. Es ist anders als das Tagebuch interaktiv, ein Tagebuch, das Antworten gibt und damit auch Anregungen bietet, die wiederum Anlässe für Texte sind.

          Viele deiner Äußerungen kann ich unterschreiben.

  9. vielen dank für diesen langen sehr zum Denken anregenden Text

    liebe Grüsse
    aus Berlin

    PS mein persönliches Geschmackerlebnis der Berliner Zeitung ist momentan durchaus wieder positiver also, Mon… bekommt ihr grad, aus meiner Sicht ganz gut
    und ich bin am überlegen, ob diese wirtschaftlichen Umbauten letztlich doch zu was Gutem führt,
    diese Red.sesselbreitsitzer müssen sich bewegen und Bewegung ist letztlich immer gut
    dieses Besitzstandsbewahregejammer macht niemanden besser
    und bekommt der Gesundheit auf Dauer sicher auch nicht 🙂

    viel Sonne wüsch ich Dir

    Karen

    • Gerne, meine Liebe.
      Wenn wirtschaftliche Veränderungen zur Qualitätssteigerung führen, kann man sich als Leser freuen. Leider überwiegt bei manchen Investoren der Blick auf die Rendite.

      Viele Grüße aus Aachen
      Jules

      • nun ich würd sagen, bei allen Investoren sollte der Blick auf der Rendite liegen, sonst sollten sie sich einen anderen Job wählen

        im Grunde meinte ich eher, das dadurch etwas in Bewegung kommt,neue Wege gegangen werden müssen, die zu ganz neuen Ideen führen und oft auch viel Gutes bringen, bessere Qualität
        neuen lebendigen hoffnungsfrohen Menschen Möglichkeiten einräumen, die nicht mit dem Satz getötet werden: „das haben wir hier immerso gemacht und so bleibt es“
        ha, so kann es eben nicht bleiben

        mich macht das einfach froh

        nicht alles ist schlecht, wenn es Veränderungen gibt 🙂

        ganz liebe Grüsse
        Karen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*