Plauderei unterm Himmel (1 und 2)

Du bist vermutlich durchgefroren und ein wenig erschöpft. Am besten gehen wir zuerst in die Cafeteria. Komm, wir schauen vorher noch einmal zum Himmel auf. Sag, hast du dir schon mal vorgestellt, ein Astronom zu sein, der hoch oben in den Bergen das Universum durch ein riesiges Spiegelteleskop betrachtet? Wie es wohl ist, die Planeten zu beobachten, den schier unermesslich großen Jupiter zum Beispiel? Man kann ihn am Nachthimmel auch mit bloßem Auge entdecken. Im Spiegelteleskop jedoch kannst du sehen, wie seine Monde ihn umkreisen, wovon er 63 hat. Der Jupitermond Kalisto ist mit einem Durchmesser von 4806 Kilometern fast halb so groß wie die Erde. Auf ihm gibt es Anzeichen für Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen, den Grundvoraussetzungen für Leben.


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Von Jupiters
Oberfläche schaut dich ein Auge an. Es ist ein gewaltiger Sturm in seiner Atmosphäre, der immerzu anzudauern, keine Zeit zu kennen scheint. Gäbe es auf Kalisto intelligentes Leben, dann würden diese Wesen vielleicht das ewige Auge anbeten. Oder denkst du, nicht alle intelligenten Wesen hätten den Drang, etwas glauben zu müssen?

Der Mensch jedenfalls will glauben. Dann da ist ein ewiges Rätsel in seiner Welt. Schaut ihn ein Gott an und wacht über seine Geschicke oder ist da im Universum nur die große Leere? Aus dieser Grundfrage des Daseins resultieren im Alltag viele tausend andere Fragen, auf die es keine schlüssigen Antworten gibt. Warum bin ich so und nicht anders? Warum geschieht mir dies, warum das, welche Bewandtnis hat es hiermit und damit? Warum stehst du just heute Abend vor der Tür des Pataphysischen Instituts? Ist es besser, nur auf die geraden Stufen zu treten, wenn wir die Treppe hinaufgehen? Sollte ich vielleicht die Stufen zählen, damit ich nicht stolpere wie letztens, als ich das Zählen vergaß? Wusstest du übrigens, dass auch Ratten Aberglauben entwickeln können? Es lässt sich im Experiment beweisen:

Die abergläubische Ratte
Der Versuchsaufbau ist so gestaltet, dass eine Ratte von einem beweglichen Gitter bis zu einem Futtertrog normalerweise etwa zwei Sekunden braucht. Der Futtertrog wird aber nur gefüllt, wenn sie nach frühestens vier Sekunden und spätestens fünf Sekunden am Futtertrog ankommt.

Ergebnis: Die Ratte wird irgendwann eine zufällige Handlung ausführen, die nötige Zeit verbrauchen und somit die Bedingung erfüllen. Nun glaubt sie (deshalb abergläubisch), dass diese zufällige Handlung die Belohnung ausgelöst habe und beginnt sie minuziös zu wiederholen, bzw. zu erweitern. Das führte in manchen Fällen zu grazilen Springtänzen.
(Wikipedia)

Das Gesicht eines Hauses ist wie die Stirn eines Menschen, findest du nicht? Wir wissen nicht, was sich dahinter verbirgt. Wenn ein lieber Mensch vertrauensvoll seinen Kopf in deine Hand legt, denkst du nicht auch, dass deine Hand dann ein Universum stützt? Und seid ihr einander noch so vertraut, ermessen kannst du das fremde Universum nicht. Wie auch, wo doch niemand sein eigenes Universum wirklich kennt. In seinem eigenen Kopf schaut man selbst im lichtesten Moment nicht weiter als der Astronom zum Mond. Meist reicht der Blick nicht mal bis zum Horizont, und ziehen Wolken von Schwermut, Sorge, Angst, Neid oder Missgunst auf, dann sieht man so gut wie gar nichts, tappt herum in Nebel und Dunkelheit. Was die Astronomen Lichtverschmutzung nennen, das kennen wir auch, wenn wir von Freude und Glück geblendet werden. Wie wunderbar sind hingegen die Momente der Klarheit des Denkens, die uns einmal weiter schauen lassen als die Nasenspitze reicht.

Was meinst du, wie viele Schritte sind’s, einmal ums Pataphysische Institut herum? 58 Meter vielleicht? Ich kann dir versichern, es ist wie ein menschlicher Kopf inwendig größer als außen.
Hör mal, ich werde langsam wibbelig. Können wir nicht endlich eintreten und in die Cafeteria gehen? Ach so, es lag an mir.

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