Mittagsplausch mit Frau Nettesheim – PR-Beratung

Frau Nettesheim
Warum liest man nur noch selten unsere Dialoge im Teppichhaus?

Trithemius

Sie haben ein Quotenproblem, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Was habe ich? Ein Quotenproblem? Sind sie noch recht bei Trost?

Trithemius

Nun regen Sie sich wieder ab, Frau Nettesheim. Tatsache ist, dass Sie sich zwar einer gewissen Beliebtheit erfreuen, doch es schlägt sich nicht mehr in Kommentaren nieder, so dass der Zuspruch nicht messbar ist. Das heißt, ich weiß nicht, ob ich es mir auf Dauer noch leisten kann, Sie zu beschäftigen oder ob ich eine Ein-Euro-Jobberin einstellen muss.

Frau Nettesheim
Nur zu. Wenn Sie so ein kaltschnäuziger Hund sind, Trithemius, kann ich Ihnen sowieso nicht helfen. Im Übrigen ist das Kommentarproblem hausgemacht. Wenn ich Caramellino richtig verstanden habe, trauen sich viele Leser nicht, bei Ihnen zu kommentieren, aus Angst, sich zu blamieren. Plumpaquatsch hat Ihnen das auch schon einmal gesagt.

Trithemius

Ja, ist das etwa meine Schuld, Sie Herzchen?

Frau Nettesheim
Vielleicht gebärden Sie sich zu elitär. Und die Positionen, die Sie manchmal vertreten, sind zu radikal. Sie konfrontieren die Menschen mit Ansichten, die zu weit weg von ihren eigenen Erfahrungen sind.

Trithemius

Ich werde mich nicht verbiegen, um allgemeine Erwartungen zu befriedigen. Es gibt genug Blogs mit seichten Inhalten.

Frau Nettesheim
Sehen Sie, das ist ein weiteres Beispiel für Ihre Arroganz.

Trithemius

Hauen Sie mich nur in die Pfanne, Frau Nettesheim. Das ist 1a Werbung für das Teppichhaus.

Frau Nettesheim
Ich bin nicht Ihre PR-Beraterin.

Trithemius

Glücklicher Weise. Gestern habe ich wieder einmal gesehen, wie sehr die PR-Beratung das Mediengeschehen bestimmt. Es ist eine Kleinigkeit gewesen, gemessen an den Problemen dieser Welt, und trotzdem war es exemplarisch.

Frau Nettesheim
Na, dann erzählen Sie mal. Vielleicht geht es Ihnen danach besser.

Trithemius

Ich habe mir beim ZDF „Berlin direkt“ mit Peter Hahne angesehen. Hahne hatte Ronald Pofalla im Studio. Die beiden mimten ein Interview. Hahne fragte Pofalla zum Umfragetief der CDU bzw. der Kanzlerin und derartige Dinge. Pofalla gab postwendend Antwort, hat nicht einen Moment überlegt oder gezögert. Was er sagte, war derart von PR-Sprechblasen-Rhetorik bestimmt, dass mir ganz schlecht wurde. Weder Hahne noch Pofalle haben schauspielerisches Format, und so merkte man, dass alle Fragen abgesprochen waren. Hahnes Redaktion hat die Fragen gewiss Tage vorher an Pofallas Büro geschickt, und Pofallas Medienberater haben die Antworten vorbereitet.

Frau Nettesheim
So geht das eben in einer Mediendemokratie.

Trithemius

Ja? Das ist genau der Grund, warum die Menschen den Politikern nicht mehr trauen. Ich möchte nicht wissen, welche Unsummen die Parteien inzwischen für PR-Beratung raushauen. Und wenn sich Journalisten zu Kumpanen der Politiker machen, kriegen wir diese Form der ausgefeilten Desinformation. Ich könnte kotzen.

Frau Nettesheim
Halten Sie alles drin, Trithemius. Und mäßigen Sie sich in Ihren Ausdrücken, sonst verschrecken Sie die Kunden des Teppichhauses noch mehr.

Trithemius

Frau Nettesheim mal wieder.

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21 Kommentare zu Mittagsplausch mit Frau Nettesheim – PR-Beratung

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