Abendbummel Online – Besser riechen

Abendbummel
Leider eine Woche zu spät habe ich erfahren, wie ich mich in den Besitz von einem Prozent der Marlboro-Aktien hätte setzen können. Dazu muss man bloß zwölf kleine Rauchringe durch einen großen Rauchring blasen. Mein Gewährsmann lieferte sogar die Anleitung für die Rauchringe mit: Den großen Ring müsse man mit gerundetem Mund hinten aus dem Hals heraus hauchen, für die kleinen Ringe schließe man die Lippen zu einem Rund und klopfe rasch mit den Fingerkuppen auf eine Wange. Wie das Kunststück jedoch zu dokumentieren sei, wusste er nicht genau. Ich vermute, man sucht am besten einen Notar auf und bläst unter seinen Augen zwölf kleine Rauchringe durch einen großen.

Da ich ja seit einer Woche nicht mehr rauche, ist mir dieser Weg, zu sehr viel Geld zu kommen, leider versperrt. Deshalb gebe ich die Option an die Raucher unter den Kunden des Teppichhauses weiter.

In meiner Kindheit sammelten wir Laschen aus weggeworfenen Zigarettenpackungen, und zwar jene mit einer kleinen Nummer. Es kursierte das Gerücht, für einhundert dieser Laschen bekäme man von der Zigarettenfirma einen Fußball.

Tatsächlich galt es in jener Zeit unter den rauchenden Erwachsenen als politisch durchaus korrekt, leere Zigarettenschachteln in die Botanik zu werfen, so dass wir Laschen genug sammeln konnten. Allerdings wusste niemand, welche Firma den Fußball ausgelobt hatte. Und nie hörte ich von einem Glücklichen, der den Fußball wirklich bekommen hätte.

Der Autor Hans Reimann berichtet in einem Buch von 1922, dass schon im Jahre 1914 ein gewisser Adolf Alfred Neumann an den Hannoveraner Verleger Paul Steegemann fünfhundert Streichholz-Etiketten geschickt hatte und dafür einen Fußball haben wollte.
Steegemann72
Wenn diese Kinderträume auch nicht in Erfüllung gegangen sind, so kann sich der zukünftige Besitzer von einem Prozent der Marlboro-Aktien natürlich einen langen Güterzug voller Fußbälle leisten.

Sich als Sozialschädling zu fühlen, ist keine angenehme Sache. Dieser Makel ist PLATSCH von mir abgefallen, dachte ich heute, als ich vor dem Café am Münsterplatz saß, einen Kaffee trank, Passanten beguckte und dabei frohgemut NICHT rauchte.

Wer nicht raucht, riecht nicht nur besser (intransitiv), sondern riecht auch besser (transitiv).
Am Anfang der Krämerstraße zwischen Dom und Parfümerie riecht es immer nach Weihrauch. Das hatte ich sogar gerochen, als meine olfaktorische Wahrnehmung noch durch Rauchen getrübt war.

Heute schnüffelte ich diesem ausschließlich punktuell auftretenden Duft genauer nach. Ich glaube, er weht vor der Parfümerie aus einem Gully. Letzte Gewissheit habe ich nicht, dazu hätte ich vor dem Gully in die Knie gehen müssen. Doch ich vermute, dort verläuft eine Pipeline, durch die alle Aachener Kirchen mit Weihrauch aus dem Dom versorgt werden. Weihrauch soll übrigens durchaus berauschend sein. Ich werde vielleicht wieder in die Kirche eintreten, da ich dem Grasrauchen ja ebenfalls entsagen muss. Vorläufig gehe ich häufiger an dem Abluftschacht der Weihrauchpipeline vorbei.

Manche Versäumnisse rächen sich bitter. Ich habe vergessen, für den originellen Buchtitel „Mein Leben“ Titelschutz zu beantragen. Jetzt haben Bill Clinton (Mein Leben), Marcel Reich-Ranicki (Mein Leben), Alfred Biolek (Mein Leben) und James Last (Mein Leben) ihr Buch schon so genannt. Dabei hätte ich von den genannten Autoren ein Buch mit dem Titel „Meine Leber“ viel interessanter gefunden.

Übrigens für alle, die mit sich hadern. Ich habe heute einen gar wunderbaren Slogan im Schaufenster einer Apotheke gesehen, den ich jedem nur wärmstens empfehlen kann:

Viele Frauen finden ihr Schönheitsideal in Filmen aus Hollywood.
Ich sehe meines jeden Morgen im Spiegel.

Guten Abend

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