Die letzte Freinacht – Lesung, Folge 23

Folge 23
Zerstörtes Lied

Der Alte soll sich nicht so haben. Jetzt müssen wir leider abhauen, ohne Sabine gesehen zu haben. Neuhaus haut sofort ab. Theo und ich legen die Leiter lang und versuchen sie durchs Törchen zu tragen, wo sie natürlich verkanntet, weil wir so hastig sind. Da reißt der Alte auch schon die Haustür auf, brüllt uns an und macht Drohgebärden.

Auch die Leiter hat sich erschreckt, fügt sie sich, lässt sich heben, und wir können endlich abhauen.

Neuhaus lehnt scheinheilig grinsend hinter der Straßenecke.
„Wo bleibt ihr denn so lange?“

„Du Fackelsnase!“, sagt Theo. „Hast uns einfach im Stich gelassen!“

Die Fackelsnase grinst.

„Ich dachte, ihr seid …“

Hier ist die Passage leider zerstört. Offenbar versuchen sie bei einem zweiten Mädchen einzusteigen, dringen sogar in ihr Zimmer vor, wo jedoch die Mutter mit der Kerze erscheint und weitere Aktivitäten verhindert.

Auf Wunsch der Herausgeberin Helene von Nettesheim folgt als Ersatz ein Tapetenmuster.

Tapete02

…

Keiner will mehr so recht die Leiter tragen, nachdem auch der 3. Versuch misslungen ist. …

Ja, das … ist alte Erinnerung. Da will ich bleiben. Für eine Nacht, will ich dort sein. Wie kommt es, dass trotzdem jemand in mir ist, der ständig an die falschen Türen klopft? Sie tragen die Aufschrift: „Diese Tür soll vorläufig geschlossen bleiben!“ Es muss auch das Nein im Denken respektiert werden. Es muss möglich sein, sich Gedankenwege zu versagen.

„Geh viel in die Natur! So wenig wie möglich denken!!!“,der gute Rat eines Freundes, jetzt versagt er.

Wie soll ich wenig denken, wenn in meinem Kopf alle Türen offen stehen? Mir ist, als würde ein herumirrender Kerl für das Aufreißen der Türen belohnt. Was mir wehtut und mich schwächt, scheint ihn zu stärken. Ich kann nicht mehr erzählen, ich kann nicht mehr schreiben.

Es zieht mich durch eine fälschlich offene Tür!

Folge 24

Dieser Beitrag wurde unter Teppichhaus Intern abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Die letzte Freinacht – Lesung, Folge 23

  1. Lieber Jules,

    Deine Fragmente verstehen bei aller Kürze eine gewisse Substanz zu wahren.

    Sie sind eine gleichermaßen faszinierende und intensive Leseerfahrung. Ja so mag ich das nennen, denn LeseVERGNÜGEN, so wie ich es von Dir kenne, wäre hier das falsche Wort.

    Die überraschenden Bruchstellen, die offenen Türen sind voll negativer Energie. Mag sein dass Dich das lähmt, doch vom erzählen und schreiben sollte es Dich nicht abhalten.

    Die Idee von Frau Nettesheim, ich meine das Tapentenmuster als Ersatz – gut gewählt.
    Doch ausgesucht hast Du, es ist ein immer wiederkehrendes Fragment. So wie Dein Gefühl im Moment.

    *drück Dich*
    Jule

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>