Frau Nettesheim zeigt Ahnenstolz

Trithemius
Sagen Sie mal, Frau Nettesheim, wenn einer ein Stück Text mit dem Zahlensystem des Agrippa kodiert, ist der noch ganz bei Trost? Wenn Sie die Zeichen nicht erkannt hätten, käme die Transkribierung der „Freinacht“ gar nicht mehr voran …

Frau Nettesheim
Notas elegantissimas, es kennt sie kaum noch jemand. Zeigen Sie dieses Zahl-Zeichensystem bei Gelegenheit im Teppichhaus. Schließlich haben sie „offene Bloguniversität“ im Untertitel.

Trithemius

Ich soll ein vergessenes Zahlensystem zeigen, nur weil Agrippa ihr Urahn ist? Die Notas elegantissimas finden Sie noch nicht einmal bei Wikipedia, so vergessen sind sie. Ich habe doch hier kein Antiquaritat!

Frau Nettesheim

Betrachten Sie die Welt neuerdings nur noch ahistorisch? Das habe ich von Ihnen schon anders gehört.

Trithemius
Ist schon Recht, Frau Nettesheim, wenn ich sie im Lager finde, zeige ich die Zeichen. Die Leute können sich ruhig einmal ein bisschen nutzloses Wissen aneignen, einfach so, aus intellektueller Spielerei.

Frau Nettesheim
Sie zanken mich, Trithemius. Sie wissen genau, dass es kein nutzloses Wissen gibt, abgesehen von dem Wissen über Königshäuser und gekrönte Häupter.

Agrippa2

notas elegantissimas – Zahlzeichensystem des Agrippa von Nettesheim, mit dessen Hilfe sich der Zahlenraum 1-9000 abbilden lässt. (Aus seinem Buch: De Occulta Philosophia, 1510)

Agrippa3

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6 Kommentare zu Frau Nettesheim zeigt Ahnenstolz

  1. Irgendwo hab‘ ich mal das Zitat gelesen:

    “ Der erste Schritt zur Bildung ist
    nutzloses Wissen zu Vergessen „

    oder so ähnlich 😉

    im Vergessen bin ich gut –
    also der Anfang ist gemacht :>

    mlg reinhold

    • Gut, wie du willst. 😉

      Es erstaunt mich immer wieder, was man behält und was vergisst. Da scheint gar lkeine Ordnung vorzuliegen. Belanglosigkeiten halten sich hartnäckig, Gutes vergisst man manchmal.

      Lieben Gruß in den Sonntag
      Jules

  2. Das System entbehrt nicht einer gewissen Logik. Zumal die Dezimalschreibweise mit arabischen Ziffern damals noch nicht allgemein durchgesetzt war und man auch im Bereich fünf- und mehrstelliger Zahlen vermutlich selten zu tun hatte, abgesehen vielleicht von Kaisers und Papstes immensen Schulden, sprich der Buchhaltung des Hauses Fugger.

    Dem Link nachgehend bin ich auf den Lehrer des Herrn Agrippa gestoßen, ein gewisser Johannes Trithemius, ein Mensch, der unheimlich viel für die Bildung seiner Umwelt tat. Ich lese da von einer Klosterbibliothek, die von üblichen 48 auf immense 2000 Werke erweitert wurde. Ich lese weiter:
    Trithemius gilt als eine der vielseitigsten und bedeutendsten deutschen Gelehrtenpersönlichkeiten seiner Zeit, und das, obwohl er nie eine Universität besucht hatte. Neben seiner regen Vortragstätigkeit war er ein begehrter Lehrer und Ratgeber in intellektuellen und höfischen Kreisen.
    Und die eine Schrift unter vielen anderen erinnert mich auch an irgend etwas: De laude scriptorum manualium, zu deutsch etwa „vom Lob derer Schreiber, die mit der Hand schreiben“…
    Sag an, lieber Trithemius, besteht da eine Verwandtschaft?

    • Ja, meine Lieber, es gibt diese Bezüge zu Agrippa und Trittenheim. Und DIE LETZTE FREINACHT handelt auch in Teilen in Nettesheim, wo Agrippa eventuell geboren ist. Anders als Trithemius stand er dem Wahnsinn der Hexenverfolgung ablehnend gegenüber. Er wurde u. a. berühmt, weil er als Rechtsanwalt eine Frau verteidigte, die vor der Inqusition als Hexe angeklagt war, und sie auch freibekam, was fast unmöglich war.
      An beiden Figuren fasziniert mich, dass sie Universalisten waren, also in vielen Wissenschaften zu Hause.

      Trithemius litt allzeit unter mangelnden Kontakten mit geistig anregenden Gesprächspartnern, weshalb er einen regen Briefverkehr führte. Reisen ware damals eben sehr mühsam. Hätte es so ein Netzwerk wie das Internet zu Verfügung gehabt, was würde damit tun? Das war eine meiner Überlegungen.

      Lieben Gruß und schönen Sonntag
      Jules

      • Internet ermöglicht sicherlich schnellen und unkomplizierten Kontakt. Als ich jung, verliebt und verlobt war (glücklicherweise betraf beides dieselbe Frau), gab es immerhin das Telefon, aber das war noch unverschämt teuer. Heute telefoniert man für 2 ct ins europäische Ausland, ich gar ganz umsonst dank Pauschaltarif – damals kostete es ungefähr 100 Einheiten für 12 Minuten. Und das war teuer.
        Also schrieben wir Briefe, für den gleichen Tarif von einer Mark konnte man so viel mehr hineinlegen, und man konnte die, die man bekommen hatte, auch wieder und wieder lesen. Wie oft wiederlesen wir denn eMails? Ich bekomme davon hunderte am Tag!
        Es würde uns heute auch einiges an Bildung fehlen, wenn wir die Briefe nicht hätten, die große Persönlichkeiten ausgetauscht haben.

        Auch in dieser Frage ist also moderne Technik Gewinn und Verlust zugleich, fürchte ich. Manches ist einfach kurzfristiger Gewinn, aber langfristig ein Verlust… und ich habe nicht erst diesen Sommer, als mir das Internet nicht zur Kommunikation zur Verfügung stand, das Briefeschreiben wieder entdeckt. Briefe sind was schönes, und was bleibendes, und sie fallen keinem Festplattencrash zum Opfer. Manchmal allerdings einem Weinglascrash.

  3. Pingback: Agrippas geheime Zahlenzeichen – notas elegantissimas

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