Die letzte Freinacht – Lesung, Folge 22

Sabine hat einen Bruder

Was wir hier wollen?

„Jetzt besuchen wir Sabine, das scharfe Luder!“, hat Neuhaus gesagt. Sie ist eine erst kürzlich Zugezogene und erregt unsere Phantasie.
Im Schein der Straßenlaterne legen wir an der Front des Hauses die Leiter an. Im Giebel sitzt ein einziges Fenster, und dahinter soll Sabine schlafen. Neuhaus gibt mir die Taschenlampe, und ich klettere die Leiter hoch. Am Fenster knipse ich die Lampe an und leuchte ins Zimmer.
Natürlich hatte ich erwartet, Sabine zu sehen. Ein scharfes Luder zwischen den Kissen. Aber wie der Lichtkegel durch das Zimmer wandert, wird ein Plumeau hochgerissen und eine Gestalt taucht weg. Und dann ruckt und zuckt es komisch unterm Plumeau. Eine ganze Zeit beleuchte ich das Gezappel, doch dann tut sich plötzlich nichts mehr.
Auch als ich mit der Lampe an die Scheibe ticke, bekomme ich nicht mal eine Nasenspitze zu sehen.

„Was ist los?“, ruft Neuhaus von unten.

„Ich weiß nicht, da ist wer unters Plumeau gekrochen!“

„Sabine?“

Ich leuchte noch mal hinein. Ein alter Kleiderschrank, obendrauf ein Karton mit der Aufschrift „Bajella“, ein Stuhl an der Wand, unter der Decke klemmt ein Glasteller, nackte Wände, kein einziges Bild aus der Bravo …
„Ich glaube nicht!“

Neuhaus hat schon einen Fuß auf der Leiter.
„Lass mich mal!“, sagt er und nimmt mir die Lampe ab. Oben leuchtet er auch ins Zimmer, und zwar noch sorgfältiger als ich. Dann kommt er enttäuscht wieder herunter.

„Das ist wirklich nicht Sabines Zimmer.“

„Woher willst du das wissen?“, fragt Theo.

„Da stehen Schuhe unterm Bett, richtige Karwenzmänner!“
Er zeigt mit beiden Händen Schuhgröße 58 an.

„Dann sind die von ihrem Bruder“, sagt Neuhaus. „Das ist vielleicht ein Schisser.“

Wir müssen auf den Hof und es am Haupthaus versuchen. Da ist eine Holztür neben dem Tor. Neuhaus drückt die Klinke runter, die Tür ist offen. Er hält sie auf, damit Theo und ich die lange Leiter durchtragen können. Der Hof ist zu eng für sie, und wir stoßen beim Aufrichten an die Hausmauer. Wir lehnen sie an das rechte Fenster, und sie lassen mich wieder zuerst hoch. Leider hatte ich kaum Zeit, mich im Zimmer umzusehen, da fliegt auch schon ein Mann im Nachthemd aus dem Bett und brüllt.

Folge 23

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6 Kommentare zu Die letzte Freinacht – Lesung, Folge 22

  1. Bevor du beim Lesen meines Nicks in deiner Liste grübelst, warum ich bislang nicht reagiert hatte: Ich muss alees erst noch lesen. Hat nichts mit deiner Quali zu tun sondern mit meiner Zeit.
    Okay, mal wieder so ein unsinniger Kommentar.
    Und wehe du kommentierst mich. 😉

    • Nee, war gut, dass du es gesagt hast, jetzt weiß ich bescheid! 😉 Hör mal, es gibt keinen Lesezwang. Doch ich freue mich, dass du liest.

      • Es gibt keinen Lesezwang, aber in mir habe ich den privaten Zwang, das zu lesen, was mir weiterhilft.
        Mein Nachteil ist stärker, wenn ich deinen Folgen nicht folge, weil mir der Cliffhanger fehlt.
        Ich les dich!

  2. Solltest du dich über Antworten von mir wundern, die annodunnemals sind …
    Dann bin ich’s …

  3. So, und jetzt will ich wissen: WIE GEHT’S WEITER? 🙂

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