Die letzte Freinacht – Lesung, Folge 19

Folge 19
Der Mai wird geholt

Es ist einsam im Bruch. Und trotzdem müssen wir uns vor dem Förster in Acht nehmen.
Am Wald wird der Anhänger entladen und abgekoppelt. Die schwere Kette wird um die Anhängerkupplung des Traktors gewunden, Sägen und Äxte müssen wir tragen.
Der Traktor fährt voran, biegt bald in einen matschigen Weg ein, wo er schwer mit den Hinterreifen arbeiten muss. Schlammspritzer fliegen vom Profil der durchdrehenden Reifen, und wir belachen die Leichtsinnigen, die direkt dahinter gegangen sind.
Kletschauge und Schmiermaul.

Bald sind wir tief im Tann. Der Traktor wendet in der Schneise, sein Motor erstirbt, und sofort kommt die Angst, dass uns der Förster gehört haben könnte. Wir dringen ins Unterholz vor. Ein Baum ist rasch bestimmt, denn die Auswahl an stattlichen Fichten ist groß.

Jetzt braucht es Entschlossenheit, Hand an einen lebendigen Baum zu legen. Die Bauern können das am besten. Sie sind die ältesten Feinde des Waldes. Aus albernen Burschen werden umsichtige Arbeitsleut. Wir erörtern kurz die Fallrichtung, dann spucken Büb und Hennes in die Hände, packen die Bandsäge bei den Griffen und ritzen den Stamm.
Der Baum erbebt. Frischgeschärfte Zacken ratschen den strotzenden Stamm und schneiden tief. Links, rechts, links, rechts rieselt das feuchte Sägemehl auf kleine Haufen, und bald zieht das Sägeblatt durch eine tiefe Wunde. Um den Baum ist es geschehen. Er muss sich ergeben.

Etwas weiter weg hauen andere ein Birkenstämmchen, das später in die Sitze des Maibaums gebunden wird. Da, der warnende Ruf, die zwei an der Säge springen zurück und begucken sich stolz das Fallen des Riesen.

Dem wüsten Juppi, der heute nicht dabei ist, dem ist so ein Stamm einmal aufs Bein gefallen. Es war glatt durch – angeblich, so wird jedenfalls erzählt. Ich verheddere mich rückwärts in Dornenranken, strauchele und schlage lang hin. Da gibt der Baum mir eine Ahnung, wie es sich anfühlt, wenn man umgehauen wird.

Die Fichte bricht stöhnend durch ihre Nachbarn, reißt ihnen Äste ab, als wollte sie alle mit in den Tod reißen. Sie kracht federnd zu Boden, und wir machen uns über sie her. Jetzt muss sie ihre Äste lassen. Ein wildes Hauen und Schlachten hallt durch den Wald.

Folge 20

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