Abendbummel Online – Jazz, Zazz und Utopia

Früher konnte ich nur Regen machen. Ich habe mein Auto gewaschen, und wenn ich fertig war, setzte ergiebiger Landregen ein. Seit einiger Zeit kann ich auch schönes Wetter machen. Ich schreibe zum Beispiel in einem Abendbummel, der Sommer sei vorbei, am Tag darauf klettern die Temperaturen weit über zwanzig Grad. Der Pustefixbär am Spielwarengeschäft bläst natürlich wieder Seifenblasen, und in der Stadt: Musik an allen Ecken, Müßiggang auf den Straßen, entspannte Gesichter, freundliches Applaudieren. Also, man klatschte nicht, weil ich das schöne Wetter gemacht hatte, sondern weil auf vier Bühnen der Innenstadt Jazz gespielt wurde.

Eben wollte ich von Google wissen, wie diese Sorte Jazz heißt, ob Dixieland oder Swing, und tippe versehentlich „ZAZZ“ ein. Prompt spielt Google mir eine Menge Seiten auf den Bildschirm. Ich glaube, man kann jeden Quark eingeben, Google findet immer etwas. Bald ist das Alphabet wirklich aufgebraucht.

Heute lernte ich dank Google die Band ZAZZ kennen. ZAZZ ist das Akronym aus „ZigarettenAnZünderZubehör“. Die Band besteht aus Judith, Jürgen, Dirk, Daniel, Simon, Frederik, Peter und Carsten. Dirk ist übrigens „der Till Schweiger aus Dienheim“. Jürgen singt angeblich schön. Er hat leider bei mir schlechte Karten, denn Männern, die Jürgen heißen, traue ich nicht. Mit Jörg geht es mir ähnlich, ich kenne nur windige Vögel mit diesen Namen. Entschuldigung, falls du jetzt Jörg oder Jürgen heißt, dich kenne ich ja nicht.

Judith,
Jürgen, Dirk, Daniel, Simon, Frederik, Peter und Carsten haben 281 Coversongs im Programm und kommen ganz schön rum, wie ich unter den letzten NEWS vom 01.08. las:

„Ende Mai spielte ZAZZ einen Doppelgig in Meckenheim (bei Neustadt/Weinstraße) auf der Gässelweinkerwe. Die Landjugend hatte geladen – ins „private Saunazelt“, denn bei sommerlich-heißen Temperaturen, niedriger Bühne und somit Lichterkannen am Hinterkopf (brutzel, brutzel, …) fühlte man sich schnell wie ein Grillhähnchen. Aber das tat der Spielfreude wie immer keinen Abbruch (…).“

ZAZZ braucht offenbar ein bisschen Rückenwind. Deshalb sage ich der Band das baldige Ende voraus, – dann sind Judith, Jürgen, Dirk, Daniel, Simon, Frederik, Peter und Carsten übermorgen in den Charts.

Wir sind wieder auf dem Markt und hören Dixieland, von älteren Herren geshuffelt und geblasen. Ein Mann im roten Anzug und mit rotem Hut geht vorbei. Er ist über drei Meter groß. Eventuell hatte er Stelzen aus Aluminium unter seiner Hose. Das weiß ich sogar, denn er ging später an mir vorbei, war nicht größer als ich und trug die Stelzen in der Hand. Ich finde, Gaukler dürfen einem nicht die Illusion rauben, indem sie in der Öffentlichkeit ihre Stelzen abschnallen. Es zeugt nicht gerade von Berufsehre.

Jedenfalls stakste der drei Meter große Mann in Rot vor mir über das Kopfsteinpflaster, derweil die Dixieland-Band spielte. Da stand eine gutsituierte Dame von ihrem Cafétisch auf, verabschiedete sich von zwei anderen und kroch dem roten Mann zwischen den Beinen durch.

Kurz darauf hat er seine Beine abgeschnallt, und ich bin nach Hause gefahren.

Wir radeln noch ein Stück zusammen die Jakobstraße hoch.

Jetzt frage ich dich was: Hast du eigentlich irgendeine Uopie? Besteht sie aus Musik an allen Ecken, Müßiggang auf den Straßen, freundlichem Applaudieren und Damen, die drei Meter großen roten Männern zwischen den Beinen durchkriechen? Und das tagein tagaus, es sei denn, ich hätte mein Fahrrad geputzt und ergiebiger Landregen setzt ein?

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