Abendbummel Online – Pustefix ist alle

Das Wort „Vorgang“ im Sinne von „Vorfahrt“ gibt es im Deutschen nicht. Der Begriff „Vorfahrt“ stammt aus der Straßenverkehrsordnung. Heute musste ich wieder daran denken, was mein gewiss längst verstorbener Fahrlehrer gesagt hat: Die Straßenverkehrsordnung ist eine Autoverkehrsordnung, Fußgänger und Radfahrer sind unterprivilegiert.

Weil eine Autoverkehrsordnung unsere Wegenutzung regelt, gibt es das Wort „Vorgang“ nicht, obwohl ich eindeutig Vorgang habe, wenn ich von meiner Haustür nach rechts gehe und die Nebenstraße überquere.
Würde man das vielleicht zur Kenntnis nehmen? Ginge das eventuell? Oder ist das flotte Bergab und das elegante Schnibbeln der Kurve angeborenes Recht? Wenn ich albern durch die Luft flöge und anschließend da läge, dann würdest du dumm dastehen und wolltest nicht glauben, dass mein Herz nicht mehr schlagen mag.

Hier schlägt das Herz

Genau das mag ich den Werbeleuten von Kaisers nicht glauben.
Nicht mal bei der frischen deutschen Ente.

Es ist dem Autofahrer nicht zu verdenken, wenn er meinen Vorgang missachtet. Der Begriff fehlt. Damit der Mensch sich etwas vergegenwärtigen kann, braucht er einen Begriff. Ein Begriff hat bekanntlich eine lexikalische Bedeutung und Gefühlswerte.

Am Markt geht eine Fünfergruppe vorbei. Ein sehr dicker Mann führt sie an.
Er deutet auf den Karlsbrunnen, seine schwergewichtige Frau, seine beiden Töchter und der Schwiegersohn gucken folgsam hin, und der dicke Mann sagt: „Die Schüssel da – sechs Tonnen!
Donnerwetter, das hätte ich nicht gedacht. Ich hätte beim Betrachten des Kaiserbrunnens überhaupt niemals an Tonnen gedacht.

Wenn man aber selbst wie eine Tonne daherkommt und eine Fünfteltonne wiegt, dann denkt man an so etwas. Ich würde gerne einmal eine Gruppe von dreißig dicken Männern sehen, denn sie wären zusammen so schwer wie die Schüssel am Karlsbrunnen.
Immerhin war seine Frau fast so dick wie er. Da musste ich wieder an die Behauptung eines Freundes denken, Frauen seien geborene Fraternisierer.

Dowtown
Dieses Detail stammt von einem Plattencover, das ich gezeichnet habe. Ein Kollege schaute es sich an und sagte: „Steht die Frau auf einem Stuhl?“
Nö, sagte ich, „da ist gar nix, die Frau ist ja nur gezeichnet.“
Trotzdem habe ich mich zuerst geärgert, dass er die Frau kritisierte. Dann dachte ich, dass er Recht hatte. Der Kollege hatte nämlich ziemlich kurze Beine und hatte sich zum Maßstab genommen. Bei Bildern geht es wie bei Wörtern, sie haben eine lexikalische Bedeutung und individuelle Gefühlswerte.

Wie heißt eigentlich das Teil, das man ins Pustefix eintaucht, um Luftblasen zu blasen? Jedenfalls taucht der mechanische Pustefixbär am Spielwarengeschäft unermüdlich dieses Teil ins Röhrchen, bläst auch artig, doch es kommen keine Seifenblasen.
Da dachte ich, die Sommersause ist vorbei. Sie füllen dem Bär kein Pustefix mehr nach. Immerhin darf ich dann hoffen, dass die ästhetische Katastrophe der letzten Sommer langsam schwindet und im nächsten Jahr verröchelt ist: Angenommen in zwanzig Jahren siehst du dir einmal alte Filmdokumente aus dem Jahr 2006 an. Dann wirst du das hier bestätigen:
Hüfthosen machen Dackelbeine.

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