Aachenbummel Online – Von unten schäbig

Heute wird es mühsam. Ein Glück, der erste Satz steht schon. Falls du jetzt schon bleierne Knochen kriegst, dann lies mal lieber nicht weiter. Ich fange nämlich von vorn an.

Heute wird es mühsam, dachte ich, als ich durch die Stadt ging. Eine seltsame Stimmung bei den Leuten. Manche nehmen sich emotional schon ein bisschen zurück. Das ist der innere Impuls zur Vorratshaltung für den nahenden Herbst und Winter.

Und die Stadt ist so clean. Man sieht kaum Bettler. Grad hält dir einer seinen Becher unter die Nase, haben ihn die schwarzen Ordnungsamtmänner auch schon wieder verscheucht.
In der Innenstadt kriegt man keine Idee davon, dass in Aachen 40.000 Menschen an der Armutsgrenze und darunter leben, wie heute zu lesen war. Das wäre dann etwa jeder 6. Aachener.

Dass man sie nicht sieht? Sie bleiben unter sich. Wenn sie sich in die City trauen, dann nur in Sippen. Die Sippe gibt Halt in einer Welt, die von unten ganz schäbig aussieht.

Moment, ich stehe im Stehcafé in der Schlange. Es geht verdammt noch mal nicht weiter. Gibt es eigentlich Menschen, die grundsätzlich und überall den Verkehr aufhalten? Wenn ja, dann haben sie sich gerade an der Theke vor mir versammelt. Vielleicht macht der Verein der selbstverliebten Nervtöter einen Aachenbummel.

Wo waren wir?
Wie schäbig die Welt von unten aussieht. Man mag nicht hingucken. Zerstreuung ist besser. Straßentheater zum Beispiel – am Dom. Da hat sich einer geschminkt wie eine vergammelte Leiche und seinen Kopf und beide Hände durch Löcher in einem Gummituch gesteckt. Das wiederum ist in den Rahmen einer kleinen Bühne eingespannt. Seine Theater besteht aus Mimik und Gestik. Er interagiert mit den Menschen, die sich im Halbkreis um ihn geschart haben. Manche Leute beginnen zu kaspern, andere werden verlegen …

Ein Gesicht, zwei Hände schaffen es, den Menschen mit sich selbst zu konfrontieren und bringen seine Natur zum Vorschein.

Komm, noch ein paar Sätze, und wir haben es hinter uns. Ein Löffelchen für Papa, eins für Mama, eins für Opa, eins für Oma …
Eine Freundin von mir spricht manchmal über Gehirnwäsche. Eventuell hat sie Recht. Ich glaube, die Gehirnwäsche besteht darin, dass uns die Schweinenatur als erfolgversprechend und erstrebenswert angepriesen wird.

Das war’s, kannst wegklicken.

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