Themenwoche Handschrift – Reichtum durch Ersparung der Pfennigsweisheiten

Sudelbuch – Tagebuch

Vom 15. September 1989 bis ins Jahr 2001 reichen meine Tagebuchaufzeichnungen. Es handelt sich um 44 Chinakladden ca. DIN-A5. Lediglich das erste Buch ist eine schmale graue Schülerkladde. Die Chinakladden haben durchschnittlich 190 Seiten. Insgesamt sind es also etwa 8300 Seiten. Ich staune selbst über diese Zahl. Auf 8300 Seiten haben sich also 11 Jahre meines Lebens niederschreiben lassen.

TagebuchTitelblattNr37.

Als roter Faden ziehen sich zwei Hauptthemen durch diese Bücher:
• Schrift und Kommunikation
• Erzähltes, Aspekte des Erzählens

Die Aufzeichnungen beginnen mit einem Zitat von Georg Christoph Lichtenberg:

„Schmierbuchmethode bestens zu empfehlen. Keine Wendung, keinen Ausdruck unaufgeschrieben lassen. Reichtum erwirbt man sich auch durch Ersparung der Pfennigsweisheiten.“

Die Tagebuchaufzeichnungen enden im Buch 44:

„Sie hatte eine schreckliche Nacht in Würzburg hinter sich, von Samstag auf Sonntag.“

Die Hintergründe dieses Satzes haben den Ausschlag gegeben, dass mein Tagebuchprojekt endete.

In der folgenden Woche will ich in der offenen Bloguni eine Themenwoche Handschrift veranstalten. In diesem Zusammenhang werde ich auch Seiten aus den Tagebüchern im Teppichhaus zeigen und sie später der Teppichhausbibliothek überstellen.

Die Handschrift hat als Medium des öffentlichen Lebens kaum noch Bedeutung. Sie hält sich in einigen Nischen, doch gegen das Schreiben mit dem Computer hat sie längst verloren. Es sind damit eine Reihe negativer Konsequenzen verbunden, vom Verlust der Fertigkeit des Schreibens durch unzureichende Ausübung bis hin zu der Tatsache, dass ein handschriftlich verfasster Text langsameren und vermutlich auch gründlicheren gedanklichen Prozessen unterliegt als ein über die Tastatur erzeugter Text (Einzelheiten dazu in der Teppichhaus-Bibliothek, Essay „Schreiben“)

Die Themenwoche soll trotzdem kein Schwanengesang sein, denn ich glaube, dass die Handschrift weiterhin eine wichtige Bedeutung haben kann, und zwar im Bereich des Schreibens für sich selbst.

TagebuchApril97

„Wenn jemand alle glücklichen Einfälle seines Lebens dicht zusammen sammelt, so würde ein gutes Werk daraus werden. Jedermann ist wenigstens des Jahrs einmal ein Genie. Die eigentlich so genannten Genies haben nur die guten Einfälle dichter. Man sieht also, wie viel darauf ankommt, alles aufzuschreiben.“
(Lichtenberg)

TagebuchApril97_2
Tagebuch010009klein

(Originalgröße anschauen: Aufs Bild klicken und im Medienarchiv nochmals anklicken.)

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