Abendbummel online – "Wieso ich?", fragt nicht einmal das Kaninchen

Gestern war Innenminister Otto Schily zusammen mit dem Ex-Nationalspieler Steffen Freund im Fernsehen. Die beiden wurden zu verschiedenen Aspekten des Fußballs gefragt. Unter anderem ging es um die Frage, ob Fußballspieler auf Fußballspiele wetten dürften. Schily sagte, der DFB untersage ja schon den Spielern, auf das jeweils eigene Spiel zu wetten. Das müsse als Regelung reichen.

Ob man es nicht besser gesetzlich verbieten sollte, wurde er gefragt.

„Wie wollen Sie das kontrollieren?“, fragte Schily zurück. Nein, das sei keine vernünftige gesetzgeberische Option. Schließlich könne ein Spieler ja auch seine Freundin wetten lassen.

Da musste ich staunen, wie Argumentation nach Gutsherrenart funktioniert. Schily will kein Gesetz, das ist vielleicht sogar besser so. Doch seine Begründung ist logisch ein wenig daneben. Wenn er vorher sagt, der DFB verbiete ja den Fußballern schon, auf das eigene Spiel zu wetten, dann ist das ebenso unkontrollierbar oder nicht?

Ich habe auch gelernt, dass man zum Beispiel darauf wetten kann, welche Mannschaft in einem Spiel den ersten Einwurf zugesprochen bekommt. Hierbei ist eine Spiel-/Wettmanipulation kinderleicht. Wenn ein Spieler heimlich darauf gewettet hat, dass die gegnerische Mannschaft den ersten Einwurf bekommt, braucht er den Ball nur absichtlich ins Aus zu spielen, schon klingelt bei der Freundin oder einem Strohmann die Kasse. Na, egal. Jeder muss sehen, wo er bleibt. Vorratshaltung bei Geld soll ja hilfreich sein.

Täusche ich mich oder hat die Leute angesichts des ausbleibenden Frühlings ein gewisser Fatalismus ereilt. Es war schon scheiße, und jetzt spielt auch noch das Wetter nicht mehr mit. Typisch, die Zeiten sind halt hart. Da heißt es, Winterjacke an und das Kreuz steif machen.

Wenn in einem ökologisch intakten Gebiet Kaninchen und Füchse leben, funktioniert das Gleichgewicht so: Unter anhaltend günstigen Witterungsbedingungen finden die Kaninchen reichlich Nahrung. Dann können sie ihren Nachwuchs ausreichend ernähren, in der Folge wächst die Population.

=> Übrigens hat der Mathematiker Fibonacci seine Zahlenreihe an der Beobachtung der Population von Kaninchen gewonnen. Im Bereich der ganzen Zahlen entspricht die Fibonaccireihe dem Goldenen Schnitt, dem antiken griechischen Schönheitsideal. Ist doch fein von der Natur, dass sich Kaninchen nach dem Goldenen Schnitt vermehren, oder?

Ach ja, Kaninchen – ihre Population wächst also. Wenn nun die Gegend von Kaninchen nur so wimmelt, finden wiederum die Füchse reichlich Nahrung, was wiederum ihrem Nachwuchs zu Gute kommt. Nun wächst die Population der Füchse, und sie fressen die Kaninchen weg, was für die nachfolgende Fuchsgeneration wiederum bedeutet, dass sie hungert oder verhungert. Schwindet daher ihre Zahl, wächst die Kaninchenpopulation wieder … also, hier höre ich mal auf. Man kann sich denken, wie es weiter geht, und ich wollte sowieso nicht über Kaninchen schreiben, sondern sie sollen nur als Beispiel für eine Überlegung dienen. Die hier:

Es gibt also Wellenbewegungen in der Natur, günstige Bedingungen für eine Art schlagen um in ungünstige, wieder in günstige und so fort. Angenommen ein Kaninchen lebt gerade einmal in einer ungünstigen Zeit. Wird es über sein Schicksal klagen? Wenn es hungert, wenn es friert, wir es sich dann fragen: „Wieso ich?“ Natürlich nicht, es wird versuchen, heil durch den Winter zu kommen. Wenn es geschickt und kräftig ist, überlebt es und pflanzt sich fort. So funktioniert die natürliche Auslese.

Wie ist es beim Menschen? Auch er kann zufällig in einer Zeit leben, die für die meisten der Art ungünstig ist. Sein Schicksal ist dann auf irgendeine Weise hart. Was kann der Mensch tun? Es ist natürlich unsinnig zu fragen, wieso ich? Das fragt sich nicht einmal ein Kaninchen. Anders als ein Kaninchen kann der Mensch gestaltend auf seine Lebensbedingungen einwirken. Und hier fängt er am besten bei seinem Innenleben an. Er kann nämlich einmal versuchen, ein wenig Ordnung in sein Denken zu bringen. Denn vieles, was er als sein schweres Schicksal empfindet, hat etwas mit der Weise zu tun, wie er üblicherweise denkt und handelt.

Und wenn du jetzt sagst: Ja, aber die äußeren gesellschaftlichen Bedingungen…, dann frage ich dich, findest du sie etwa nicht gut? Nein? Warum tust du dann nichts dagegen?

Guten Abend

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