Abendbummel Online – Dunkelheit und Licht

Es gibt zur Zeit schöne magische Momente in meinem Leben – wir sind übrigens schon draußen.
Gute Luft, kühl, doch nicht nass.

Die Straße runter gibt es eine Bäckerei. Da gehe ich oft vorbei. Heute standen zwei junge Männer vor dem erleuchteten Geschäft. Ich sah schon von weitem, dass sie nichts Gutes wollten. Sie spuckten nämlich, als ich näher kam, irgendwas gegen die Scheibe. Ich glaube es waren Weingummi-Dinger.

Ich ging vorbei und sehe in den Laden. Die einzige Verkäuferin hatte einen Telefonhörer am Ohr. Sie wirkte eingeschüchtert ohne Zweifel, und als ich ein Stück weiter war, habe ich gedacht: Das geht aber nicht. Dann bin ich stehen geblieben und habe mich umgedreht. Hab mir angeguckt, was die zwei dort trieben. Sie spuckten und lachten hämisch dazu.

Als sie dann endlich bemerkten, dass ich stehen geblieben war (es war ja schon dunkel und ich trug eine schwarze Jacke), jedenfalls, als sie mich sahen, hörten sie auf. Sie machten dann noch ein paar böse Gesten in den Laden hinein. Dann haben sie sich getrollt. Da habe ich gedacht, für mich war das unangenehm. Den Konflikt zu suchen mit diesen verwirrten jungen Männern. Doch man darf sich nicht immer drücken, fühlt man sich stark, dann muss man gefälligst was tun.

Es war nicht viel, was ich machen musste. Einfach stehen bleiben, das ist keine Kunst. Dafür wurde ich dann ein paar Meter weiter sofort belohnt. Ich sah nämlich an der Kreuzung eine Freundin wieder. Es ist die Freundin gewesen, die ich aus den Augen verloren habe. Sie hat mich nicht gesehen. Jedenfalls hat sie so getan. Ich habe mich trotzdem darüber gefreut, dass sie gut aussah und nicht betrübt.

Später kam ich an einem Mineralienladen vorbei. Da hatten sie winzige Leuchten im Fenster. Eine davon war eine blau-leuchtende Kugel, und ich dachte: Die hättest du gern. Die würde sich gut neben der Tastatur machen, wenn ich im Halbdunkeln sitze und den Nachtschwärmer schreibe. Sie gäbe ein feines magisches Licht. Dann käme vielleicht auch ein bisschen davon in meine Worte.

Da trat plötzlich ein groß gewachsener Mann neben mich. Und guckt sich wie ich neugierig die Auslage an. Ich gucke ihm ins Gesicht – und sehe sofort: Ein guter Mann. Da habe ich einfach zu dem gesagt: „Witzig, ne?“
„Meinen Sie die da in der Ecke?“
„Ja“, sage ich im Weitergehen. Da grinst er, guckt noch mal hin und sagt: „Ja!“

Da wusste ich, die Kugel wäre gut. Ich hatte schon vorher gesehen, was sie kostet: 65 Euro wollen sie haben. Und soviel Geld frei zur Verfügung, habe ich im Augenblick nicht. Egal.

Denn die Freie Königin der Deutschen hat gestern etwas Gutes gesagt:
„Wenn der Weg gut ist, stellen sich auch die Mittel ein!“
Deshalb mache ich mir keine Gedanken. Denn ich fühle mich auf einem guten Weg. Ich habe, da möchte ich hier mal sagen, einen ziemlich guten, magisch-verrückten Plan. Es geht um „SOZIALE ENERGIE“. Ich will, dass sie endlich frei wird.

Einige wissen schon, was ich vorhabe. Und den anderen sage ich es bald.

So. Mein Tabakhändler hatte wieder eine Knoblauchfahne. Ich wusste nicht, dass es so nah am Dom auch Vampire gibt. Vor denen er sich glaubt schützen zu müssen. Vielleicht hat es nichts damit zu tun.
Ich brauchte ein Feuerzeug. Und er sagte: „Nehmen Sie die, die sind besser!“

Auf dem Rückweg war ich froh, dass ich ihm vertraut habe. Denn ich geriet ins Dunkle. Davon später.

Wie habe ich mich gefreut, als ich die Neva-Brass-Band hörte. Sie standen heute hinter dem Dom. Viele Leute hatten sich geschart, und hörten den Fünf fröhlich zu. Sie spielten nämlich fetzig, ein bekanntes Stück. Den Namen kann ich nicht nicht sagen. Ich verstehe leider nicht viel von Musik. Das ärgert mich, aber ich habe noch keine Zeit, das aufzuholen.

Der den Ton angab, der das Feuer in die Musik brachte. Der hatte anders als die anderen keine Mütze auf dem Kopf. Da habe ich gedacht: Meine Mützentheorie stimmt. Obwohl mir die Freie Königin der Deutschen darin widersprochen hat. Er spielte, glaube ich, eine Bachtrompete. Das klang hervorragend.

Als sie fertig waren, kam Beifall auf. Ich ging zum Korb und holte Geld heraus. Da wollte ich zuerst vor Freude einen 5-Euro-Schein geben. Ich habe mich gebremst, es lagen nur Münzen da. Da habe ich nur 2 Euro gegeben.

Und das war gut. Der ohne Mütze trat zurück. Und dann spielten sie was Trauriges. Es ging ans Herz und machte mich leider ganz fassungslos. Ich musste sofort weg!

Denn ich hatte vorher die Freundin gesehen. Ihr wisst, die ich aus den Augen verloren habe. Und das kam jetzt hoch.
Ich hätte nur noch weinen können. Hab mich geschämt, es nutzte nichts. Ich weiß genau, ich darf sie nicht sprechen. Dazu muss ich zuerst noch wachsen und meinen Plan verwirklichen.

Sonst wird es nichts mit der Sozialen Energie! Dann bin ich wieder nur mit mir und ihr beschäftigt. Doch ich habe mir einen guten Platz in der Welt gewünscht: Sieben gute Jahre und danach ruhen. Damit ich mir danach zum Beispiel Musik beibringen kann.

Wo ist denn ein guter Platz für mich? Ich sehe nicht, wo der sein sollte. Die Welt, in der wir leben, ist mir einfach zu düster. Da ist mir zu wenig Licht und Witz zu sehen. Also aus purem Egoismus will ich die Welt ein bisschen heller machen. Wo es geht, ich meine, wo ich dran komme. Doch über das Internet reicht mein Arm weit.

Ich will also die SOZIALE ENERGIE entfesseln. Denn sie ist da, man muss nur die richtigen Köpfe vernetzen. Das ist meine Arbeit: Ich vernetze mich mit euch, und wir zusammen vernetzen noch mehr. Versteht ihr das endlich, wir können was tun!

Wie werde ich ruhig? Da sah ich an der Klosterkapelle ein Schild, darauf stand:

Klosterkapelle ist offen.

Da bin ich hinein. Habe mir die Krippe an geguckt und einen Entschluss gefasst. Ich nahm meinen Fünf-Euro-Schein, den ich ja zum Glück den traurigen Brüdern nicht gegeben hatte, den nahm ich und stellte eine Kerze im roten Glasbehälter auf. Die brauchte eine Weile, bis sie ordentlich züngelte. Die Kerzen sind geweiht: Dem Heiligen Antonius. Man weiß, ich bin keine Betschwester, ich bin abgefallener Katholik. Trotzdem habe ich die Kerze dem Heiligen Antonius gewidmet. Er wird helfen, denn er hilft, wenn man etwas verloren hat.

Was haben wir verloren?
Ganz einfach: Die Mitmenschlichkeit!
Und ich habe eine Freundin verloren.
Für beides brennt die Kerze: Für Mitmenschlichkeit –
und meine zukünftige gute Frau.

Ich war auch danach noch immer traurig. Bei Aldi war es ruhig, eine entspannte Stimmung. Hab mich gefreut, denn die allgemeine Hetze scheint vorbei zu sein. Für einen kleinen Augenblick nur.
Doch bald werden wir dafür arbeiten, dass dieser Augenblick gefälligst länger wird.

Wir müssen unsere Lichtung erweitern.
Wir müssen diesen Urwald roden! (Herzogenrath, Nachtschwärmer: Guck nach.)

Auf dem Rückweg ging ich diesmal durch ein düsteres Viertel. Da sehe ich plötzlich weiter hinten, eine unangenehm wirkende Jugendbande stehen. Die zwei von eben waren dabei. Da wurde mir etwas mulmig.

Weißt du, was ich getan habe?

Ich drehte mir gerade im Gehen eine Zigarette. Da bin ich bei denen stehen geblieben. Hab in aller Ruhe das gute neue Feuerzeug heraus genommen. Und habe mir vor deren Nasen Licht gemacht.

Das hat geholfen. Sie waren kusch, und ich bin heil.

Guten Abend, Ihr Lieben

(Heute Abend seid ihr mir besonders lieb und teuer.)

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