Ein gutsituierter Abendbummel

Der eigentliche Abendbummel fiel aus.
Draußen war ich wohl. Ich fuhr am frühen Nachmittag mit dem Rad durch einen heftigen Schneesturm. Dann plötzlich wurde ich von oben grell geblitzt.
Da hatte ich doch tatsächlich mitten im Schneesturm ein dickes Gewitter über mir hängen.

So etwas erlebt man eher selten. Ich bin auch nicht absichtlich dort gewesen. Als ich losfuhr, gab’s nur ein bisschen Ärger mit einem Bus. Also mit dem Fahrer des Busses.

(Achtung, „des Busses“ war ein angeblich vom Aussterben bedrohter Genitiv. Dafür ist aber der Satz „Also mit dem Fahrer des Busses“ kein grammatisch vollständiger Satz. Aus Rache.)

Also, hiermit habe ich mich schon einmal an dem Herrn Busfahrer gerächt.

Wie jedoch soll ich mich an etwa 10 Damen und Herren rächen, die mir unterwegs ein wenig Leid getan haben?

(Hier ist die Großschreibung des Wortes „Leid“ wichtig. Stünde dort „leid“, hätte ich sie bedauert, so aber haben sie mir Schaden zugefügt. Man sieht hieran ein Beispiel, wo die Einführung der Kleinschreibung sinnverstellend wäre. Es käme ein Doppelsinn auf, das heißt man könnte denken, die etwa 10 Damen und Herren hätten mir gleichzeitig Schaden zugefügt, und ich wiederum hätte die Damen und Herren bedauert.)

Welcher Schaden?

Bitte stellen Sie sich einmal folgende Situation vor:
Sie gehen fröhlich die Straße entlang. Im Verlaufe dieses Spazierganges treten etwa zehn gutsituierte Damen und Herren seitlich an ihren Spazierweg und gießen Ihnen wortlos jeweils einen halben Eimer Schneematsch ans Bein. Dann würde die jeweilige Dame, der jeweilige Herr sich ohne ein Wort von Ihnen entfernen.

Was würden Sie dann denken?
Würden Sie sich vielleicht fragen: „Ist etwa die abendländische Kultur versunken? Über Nacht? Und man hat mich nicht darüber informiert? Etwa das würden Sie denken?

Sehen Sie, genauso ergeht es mir auch. Würde ich mir vorstellen, dass Ihnen derartiges geschähe, ich würde mich doch ein wenig echauffieren.

(Achtung: Eines der wenigen Fremdwörter in meinen Texten. Deshalb hier auch besonders schildernd-lieblich: „Echauffieren“. Wirklich, das Wort macht Spaß!

Auf gut Deutsch würde ich freilich etwas anderes sagen: Ich würde sagen: „Ja haben die etwa zehn gutsituierten Damen und Herren denn vielleicht einen mittelschweren Kopfschuss?! Sind die ballaballa in der Birne? Haben die ein Rad ab?“ Also leise denken würde ich es schon. Sie vermutlich auch.

Dann sind wir also bis hier einer Meinung?

Gut. Dann möchte ich sie etwas fragen? Warum hat man es denn mir heute im Verlaufe meiner an sich schönen Radtour, warum also, bitteschön, haben die etwa zehn gutsituierten Damen und Herren diese Sauerei ausgerechnet mir angetan?

Sind sie etwa mit halbvollen Eimern Scheematsch hinter mir hergelaufen und haben mich einfach angekippt?

Nein, sie haben es sich viel einfacher gemacht. Sie sind ganz schnell mit ihren etwa zehn gutsituierten Autos an mir entlang gefahren und haben den jeweils halbvollen Eimer schmutzigen Schneematsch einfach mit ihren Reifen nach mir gespritzt.

Wie das genau geht, weiß ich nicht. Vielleicht hat man in diesen Autos ja einen Knopf am Armaturenbrett. Auf diesem Knopf ist das Piktogramm eines halbvollen Eimers Schneematsch zu sehen.
Und wenn man ihn drückt, spritzt man damit einen unschuldigen Radfahrer an.

Das ist meine Vermutung.

Und jetzt sind Sie dran.

1. Frage
Gibt es in den gutsituierten Autos solche Knöpfe?

2. Frage
Wozu sind sie gut?

3. Frage
Wie räche ich mich an den etwa zehn gutsituierten Damen und Herren?

4. Frage
Oder dürfen die Damen und Herren mich seit der letzten Orthographiereform mit einem jeweils halbvollen Eimer Schneematsch einsauen?

P.S.: Auch „gutsituiert“ ist vermutlich ein Fremdwort: Im zweiten Teil dieser Zusammensetzung ist es einigen von uns leider fremd.

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